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Armutsbekämpfung in Mexiko : Wenn der Präsident sein Flugzeug verlost

Weil sich noch kein Käufer für das Präsidentenflugzeug Mexikos gefunden hat, ist nun eine Verlosung im Gespräch. Bild: dpa

Mexikos linker Präsident López Obrador findet sein Dienstflugzeug zu luxuriös. Aber kaufen will es auch niemand. Kommt ihm das Volk zu Hilfe?

          2 Min.

          In den sozialen Medien fragen sich die Mexikaner seit einigen Tagen, welcher Ort sich am besten eignet, um eine Boeing 787 Dreamliner zu parken. Auslöser sind die Aussagen ihres Präsidenten Andrés Manuel López Obrador. Der schließt nicht aus, das noch unter Präsident Felipe Calderón teuer angeschaffte und luxuriös ausgestattete Präsidentenflugzeug unter den Mexikanern zu verlosen.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Der Vorschlag sieht den Verkauf von sechs Millionen Losen zu einem Preis von fünfhundert Pesos, umgerechnet knapp 25 Euro, vor. Damit wären Einnahmen von rund 160 Millionen Dollar garantiert und das Flugzeug im Wert von 130 Millionen Dollar gewinnbringend „verschenkt“. Einige Bedingungen müssten noch definiert werden, sagte López Obrador.

          Dabei könnte sich Mexiko den Unterhalt des Flugzeugs durchaus leisten. Immerhin ist es die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas mit einem Staatsapparat, der genügend andere Einsparungsmöglichkeiten böte. Doch das Präsidentenflugzeug ist in den Augen López Obradors ein Symbol der Verschwendung und des Größenwahns seiner Vorgänger. Er selbst will ein bescheidenerer Präsident sein.

          Nach seiner Wahl kürzte López Obrador sein Gehalt und ließ die luxuriöse Präsidentenresidenz in ein Museum umgestalten, zu dem jeder Mexikaner Zutritt hat. Nur der Verkauf des Flugzeugs gestaltete sich schwieriger als erwartet. Seit einem Jahr steht die Maschine ungenutzt in einem Hangar in Kalifornien, ohne das Interesse potentieller Käufer zu wecken. Ein Angebot von 125 Millionen Dollar wurde laut der Regierung ausgeschlagen.

          Oder ein Tausch gegen Medizintechnik?

          Der ungewöhnliche Vorschlag, das Flugzeug zu verlosen, überraschte selbst einige Regierungsmitglieder. Es gebe andere Möglichkeiten, die naheliegender seien, sagte der Sekretär für Kommunikation und Transport. Die Verlosung ist denn auch nur eine von mehreren Optionen, um das ungeliebte Flugzeug loszuwerden oder zumindest von der Kostenrechnung der Regierung verschwinden zu lassen. Es steht nach wie vor zu einem Preis von 130 Millionen Dollar zum regulären Verkauf. Die mexikanische Regierung würde es auch im Tausch gegen medizinische Ausstattung für öffentliche Krankenhäuser hergeben. Auch der Verkauf an mehrere Teilhaber sowie eine Vermietung auf Stundenbasis sind nicht ausgeschlossen.

          In einer Werbebroschüre der mexikanischen Luftwaffe wird der Dreamliner als „emblematischstes Flugzeug des Kontinents“ und „Stolz einer Nation“ angepriesen. Es sei ein Reiseerlebnis für Führungskräfte und Geschäftspartner, „das bisher nur Staatsoberhäuptern vorbehalten war“. Gestaltet ist die Broschüre mit Bildern vom luxuriösen Interieur der ausgebauten Boeing 787.

          Das Präsidentenflugzeug ist nur eines auf einer ganzen Liste von Flugzeugen und Hubschraubern, welche die mexikanische Regierung verkaufen will. Die Einnahmen aus dem Verkauf und das eingesparte Geld sollen in öffentliche Krankenhäuser oder Sozialprogramme investiert werden. Dennoch muss López Obrador auch Kritik einstecken: Ihm gehe es vor allem um sein Image, behaupten seine Kritiker.

          Einige halten die Diskussion um das Präsidentenflugzeug und dessen mögliche Verlosung auch für eine Strategie, um von den wirklichen Problemen des Landes abzulenken. Gewalt und Korruption zu bekämpfen ist auch unter der neuen Regierung bisher nur ein Versprechen geblieben. Ebenso sind beim Kampf gegen die Armut kaum Erfolge zu erkennen.

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