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Messerattacke von Paris : Wider die radikalen Islamisten

Bewaffnete Polizisten stehen vor der Pariser Polizeipräfektur, in der am Donnerstag ein Polizist mehrere Kollegen mit einem Messer getötet hatte. Bild: AFP

Die kranke Ideologie des dschihadistischen Salafismus entschieden zu bekämpfen – das ist die Aufgabe aller, die an einem friedlichen Zusammenleben interessiert sind.

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          Frankreich, immer wieder Frankreich ist das Ziel von Terroranschlägen. Auf der Liste der Attentate stehen Namen wie Charlie Hebdo und Bataclan, Städte wie Nizza und Straßburg. Islamistische Extremisten haben in Frankreich in den vergangenen vier Jahren mehr als 250 Menschen getötet, weit mehr als in Großbritannien und in Deutschland. Es sind keine Rückkehrer aus dem Dschihad, die Unschuldige töten. Die allermeisten, auch der Täter, der jetzt in der Pariser Polizeipräfektur zuschlug, sind vielmehr „homegrown terrorists“. Zu ihrer Radikalisierung hat in starkem Maße der trostlose Zustand in vielen vernachlässigten Vorstädten, den banlieues, beigetragen. Begonnen hatte diese Entwicklung jedoch bereits in den neunziger Jahren als Protest gegen die französische Außenpolitik, also lange vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

          Später als Deutschland hat Frankreich Präventionsprogramme gestartet, die auf diesen neuen inneren Feind zielen, auf die gewaltbereiten und militanten Dschihadisten. Erst spät hat Frankreich zudem seine laizistische Politik korrigiert, die die Religion aus dem öffentlichen Raum verdrängen soll. Auch die französische Regierung ignoriert nun nicht länger den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft.

          Der jüngste Terroranschlag belegt abermals, wie wichtig es für den Kampf gegen einen Terror ist, der sich auf den Islam beruft, diesen gemeinsam mit anerkannten islamischen Religionsgelehrten zu führen. Denn der klassische Islam lehrt, dass das Gewaltmonopol allein beim Staat liegt und dass eine „Selbstjustiz“ wie die in Paris streng verboten ist. Darauf gilt es auch deswegen hinzuweisen, weil in Deutschland die absurde Behauptung Verbreitung findet, dass Muslime, die sich an Recht und Gesetz halten, die sich also integrieren, letztlich gefährlicher seien als der Terror von Dschihadisten.

          Wie viele Attentäter vor ihm zählte auch der von Paris, ein französischer Konvertit, zur salafistischen Szene. Salafisten wollen die Welt des 7. Jahrhunderts wiederherstellen. Die meisten sind unpolitisch. Ein wachsender Teil aber will ihr Ideal mit Gewalt, dem Dschihad, verwirklichen. Auch wenn der „Islamische Staat“ organisatorisch zerschlagen ist, hat sich die kranke Ideologie des dschihadistischen Salafismus krebsartig ausgebreitet. Sie entschieden zu bekämpfen, ist die Aufgabe aller, die an einem friedlichen Zusammenleben interessiert sind.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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