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Messerangriff in Paris : Hauptverdächtiger nennt Mohammed-Karikaturen als Motiv

  • Aktualisiert am

Französische Soldaten nach dem Messerangriff am Freitag in Paris (Symbolbild) Bild: AP

Er habe die abermalige Veröffentlichung der Karikaturen „nicht ertragen“, sagte der Angreifer. Das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hatte sie zum Auftakt eines Prozesses gegen mutmaßliche Hintermänner des Anschlags von 2015 erneut gedruckt.

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          Nach dem islamistischen Angriff vor dem früheren Sitz der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris hat der Hauptverdächtige die Tat gestanden. Der nach dem Angriff festgenommene Mann übernehme „die Verantwortung für seine Tat“, hieß es am Samstag aus Ermittlerkreisen. Als Motiv habe er die abermalige Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch „Charlie Hebdo“ genannt, die er „nicht ertragen“ habe.

          Vor dem einstigen Sitz der „Charlie Hebdo“-Redaktion hatte ein Angreifer am Freitag zwei Journalisten einer in dem Gebäude untergebrachten Agentur mit einem Hackmesser attackiert und schwer verletzt. Kurze Zeit später wurde der Hauptverdächtige in der Nähe des Tatorts festgenommen.

          Nach eigenen Angaben ist er 18 Jahre alt und kommt aus Pakistan. Laut Polizei hält er sich seit drei Jahren in Frankreich auf und war bislang nicht als Islamist bekannt. Im Juni sei er jedoch im Besitz einer „Stichwaffe“ vorübergehend festgenommen worden, bei der es sich um einen Schraubenzieher gehandelt habe.

          Neben dem Hauptverdächtigen befanden sich am Samstagmorgen noch sechs weitere Männer in Polizeigewahrsam, darunter ein früherer Mitbewohner des Hauptverdächtigen. Ein zunächst festgenommener Algerier wurde in der Nacht freigelassen, weil er nichts mit dem Angriff zu tun hatte. Ermittlungen hätten vielmehr seine Aussage bestätigt, wonach er die Tat als Augenzeuge beobachtet und den Angreifer verfolgt hatte und dann von diesem bedroht wurde.

          In Paris läuft seit Anfang Dezember der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015. Damals wurden über mehrere Tage insgesamt 17 Menschen getötet – alles begann mit einer mörderischen Attacke auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“. Sie ist danach an einen geheimen Ort umgezogen.

          Innenministers Gérald Darmanin sprach nach der Messerattacke vom Freitag von einem islamistischen Terrorakt. Das Terrornetzwerk Al Qaida hatte wegen der abermaligen Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch „Charlie Hebdo“ zuvor mit einem Anschlag gedroht. Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs im Zusammenhang mit einer terroristischen Tat und Bildung einer Terrororganisation.

          Bei dem Anschlag auf die Satirezeitung im Januar 2015 hatten zwei Islamisten zwölf Menschen kaltblütig ermordet, darunter einige der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs. Derzeit läuft in Paris der Prozess gegen mögliche Hintermänner. Zum Prozessauftakt Anfang September hatte „Charlie Hebdo“ die umstrittenen Mohammed-Karikaturen noch einmal gedruckt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verteidigte den Nachdruck. Die Meinungsfreiheit und das Recht auf Blasphemie seien in Frankreich geschützt, sagte er.

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