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Telefonat mit König : Merkel verurteilt Tötung Khashoggis

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Bundeskanzlerin Merkel und der saudische König Salman bei einem Treffen am Rande des G-20-Gipfels in 2015. Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel fordert in einem Gespräch mit dem saudischen König Salman, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Unterdessen kündigte der türkische Staatspräsident Erdogan an, dass ein hoher saudischer Staatsanwalt in die Türkei reisen wird.

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          Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Saudi-Arabien zur raschen Aufklärung des Tathergangs im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi aufgefordert. Dies müsse zudem transparent und glaubhaft erfolgen, verlangte Merkel nach Angaben der Bundesregierung vom Donnerstagabend in einem Telefonat mit dem saudischen König Salman. Die Kanzlerin verurteilte demnach die Tötung Khashoggis „aufs Schärfste“, alle Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der Sohn des Getöteten scheint das Königreich indes nach Aufhebung einer monatelangen Ausreisesperre verlassen zu haben und in die Vereinigten Staaten geflogen zu sein.

          Zum Telefonat Merkels mit dem König teilte die Bundesregierung noch mit, „im Lichte der laufenden Entwicklungen des Falles“ stehe Deutschland bereit, „zusammen mit internationalen Partnern angemessene Maßnahmen zu ergreifen“. Einzelheiten dazu wurden nicht genannt.

          Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan meldete sich im Fall Khashoggi wieder zu Wort. Erdogan kündigte den Besuch eines „hochrangigen saudischen Staatsanwalts“ in der Türkei an. Er soll an diesem Sonntag ankommen und seinen türkischen Kollegen treffen, der die Tötung des kritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Königreichs untersucht, wie Erdogan bei einer Versammlung seiner Regierungspartei AKP am Freitag in Ankara sagte. Einen Namen oder den genauen Titel des Besuchers nannte Erdogan nicht. Er betonte aber erneut, Khashoggis Tod sei „kein banaler Fall“ und mahnte, Saudi-Arabien müsse klären, wer den Befehl für die Tat gegeben habe.

          Der saudische Regierungskritiker Khashoggi war Anfang Oktober in das Konsulat des Königreichs in der türkischen Metropole Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Danach verschwand er. Saudi-Arabien behauptete zunächst, nichts über Khashoggis Verbleib zu wissen. Nach massivem internationalen Druck erklärte Riad dann zunächst, er sei im Konsulat versehentlich bei einer Schlägerei getötet worden. Am Donnerstag folgte abermals eine Kehrtwende: Die Verdächtigen in dem Fall hätten mit Vorsatz gehandelt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft des Königreichs mit. Das legten Informationen nahe, die von den türkischen Ermittlern stammten. Die saudischen Behörden hatten 18 Verdächtige festgenommen.

          Nach Angaben des Weißen Hauses unterrichtete CIA-Direktorin Gina Haspel den Präsidenten am Donnerstag über die Erkenntnisse der türkischen Regierung und ihre Gespräche in dem Land. Haspel war nach wachsenden Zweifeln an den Unschuldsbeteuerungen des saudischen Königshauses in die Türkei gereist.

          Medienberichten zufolge ließ die türkische Regierung Haspel Audioaufnahmen von der Tötung Khashoggis vorspielen. Das berichtete die „Washington Post“ unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Das Weiße Haus pflegt enge Verbindungen zu dem Land und sieht es als wichtigen Partner in der Region an. Die Vereinigten Staaten sind zudem in den Fall involviert, weil Khashoggi zuletzt im amerikanischen Exil lebte und dort auch für die „Washington Post“ schrieb.

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