https://www.faz.net/-gpf-9s6rg

Deutsch-französische Einigkeit : Merkel und Macron dringen auf Ende der türkischen Militäroffensive

Wollen beide ein Ende des Syrien-Konflikts: Kanzlerin Merkel und Präsident Macron Bild: AFP

Merkel telefoniert mit Erdogan, Macron mit Trump, doch eine Lösung für das Ende des Konflikts in Syrien können beide nicht präsentieren. Stattdessen sprechen sie über eine deutsch-französische Rüstungskooperation.

          2 Min.

          Es könnte eine französische Woche sein, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel lächelnd, als sie am Sonntagabend an der Seite von Präsident Emmanuel Macron in Paris steht. Am Elysée-Palast ist alles wie immer, zwischen der deutschen und französischen schmiegt sich die europäische Flagge, aber dennoch wirkt der Gastgeber bedrückt. Macron spricht von einem „schwierigen“, ja „beunruhigenden Moment“, den die Welt erlebe und zählt Krisenherde auf, den türkischen Einmarsch in Nordsyrien, die Handelsspannungen mit China, der Ukraine-Konflikt und Russland.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Wir in Europa dürfen uns keine Spaltung und keine Schwäche leisten“, sagt Macron und spricht von „aussichtslosen Querelen“, die es zu vermeiden gelte. „Unsere Kraft beruht auf unserer Einheit“, sagt er und Merkel nickt zustimmend. Zwischen „chère Angela“ und „Du Emmanuel“ soll an diesem Abend nicht der Hauch einer Unstimmigkeit liegen. Tatsächlich verfolgen Frankreich und Deutschland in ähnlicher Fassungslosigkeit das Geschehen im Norden Syriens. Merkel berichtet, dass sie eine Stunde lang mit dem türkischen Staatschef Erdogan telefoniert hat, um ihn dazu zu bringen, die Militäroperation zu beenden. Es gebe „berechtigte Sicherheitsinteressen“ der Türkei, gesteht sie dem Nato-Partner zu, aber die humanitären Folgen der Kampfhandlungen seien jetzt schon schlimm.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

          Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Macron pflichtet ihr bei, auch Frankreich ringt mit einer Strategie, wie den Kurden noch geholfen werden kann. Der Franzose hat mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump telefoniert und man kann sich vorstellen, wie er ihn ebenfalls dazu gedrängt hat, Erdogan nicht freie Hand zu lassen. Aber Macron spricht nicht darüber, er sagt nur, dass Frankreich beschlossen habe, seine Waffenlieferungen an die Türkei zu suspendieren – wieder ein gemeinsamer deutsch-französischer Schritt.

          Deutsch-französische Rüstungskooperation auf dem Weg

          Die „französische Woche“ der Bundeskanzlerin führt sie am Mittwoch in die Luft- und Raumfahrtmetropole Toulouse, zum ersten deutsch-französischen Ministerrat seit der Unterzeichnung des neuen Freundschaftsvertrages von Aachen. Macron und Merkel hegen den Ehrgeiz, in Toulouse endlich eine Vereinbarung über Rüstungsexporte vorstellen zu können. In den vergangenen Jahren war das ein ständiger Zankapfel, weil die Bundesregierung sich vorbehielt, unabhängig von französischen Lagebewertungen Waffenausfuhren blockieren zu können. Aber je mehr Rüstungsgüter gemeinsam produziert werden, umso schwieriger werden unilaterale Entscheidungen. Deshalb sollte das Abendessen im Elysée-Palast nicht nur ein kulinarisches Vergnügen für die Bundeskanzlerin sein, sondern auch ein Stück Überzeugungsarbeit.

          Die beiden wollten sich auch auf die beste Lösung für die EU-Kommission verständigen, nachdem die französische Kandidatin Sylvie Goulard überraschend eindeutig vom EU-Parlament zurückgewiesen wurde. Merkel wird mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen haben, wie Macron seinen Zorn darüber auch an Ursula von der Leyen ausließ. Der Präsident behauptete, „nicht zu verstehen“, was passiert sei. Merkel wird ihn aufklären können und auch auf den Besuch von von der Leyen an diesem Montag im Elysée-Palast einstimmen.

          Vor der Nachspeise soll es auch um den Brexit gehen, damit Macron seinen Vorsatz einhalten kann, die EU nicht auseinanderzudividieren. „Mit dem Ausscheiden von Großbritannien erwächst uns ein Wettbewerber. Europa muss zeigen, was in der EU steckt“, meinte Merkel. Deshalb müsse die neue EU-Kommission möglichst schnell arbeitsfähig werden. „Wir wollen zeigen, dass Deutschland und Frankreich ein guter Teil Europas sind“, sagte die Kanzlerin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Europa League im Liveticker : 2:1 – Frankfurt dreht das Spiel

          Guimarães geht gegen die Eintracht mit einem umstrittenen Tor in Führung, dann aber profitieren die Frankfurter erst von einem Patzer, ehe sie ein zweites Mal treffen. Wer setzt sich am Ende durch? Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.
          Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

          Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

          Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.