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Trump und Merkel in Biarritz : Die Kanzlerin lässt ihn reden

Merkel und Trump am Montag in Biarritz Bild: dpa

Präsident Trump setzt beim G-7-Gipfel in Biarritz auf Charmeoffensive. Merkel hält sich derweil im Hintergrund. Nur einmal wird sie energisch.

          Als die Bundeskanzlerin und der amerikanische Präsident am Montag auf dem G-7-Gipfel in Biarritz gemeinsam vor die Presse traten, da sagte Angela Merkel nicht viel, aber ihre Mimik sprach Bände. Während Donald Trump seine Charmeoffensive in Biarritz fortsetzte – toller Gipfel, tolle Frau, tolle Handelsgespräche, alles super –, schwieg Merkel über weite Strecken und machte ihr typisches Trump-Gesicht: halb belustigt, halb gequält.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Nur an einer Stelle ergriff sie energisch das Wort: Als Trump gefragt wurde, ob er es nicht bedauere, dass bald die einzige Frau in der Runde der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer nicht mehr dabei sei, ob man da nicht in Sachen Frauenförderung noch etwas machen müsse, da rief Merkel: „Ich bin noch da.“ Trumps Reaktion: Merkel sei „eine brillante Frau“.

          „Ich habe Deutsch im Blut“

          Das Gespräch der beiden war mit Spannung erwartet worden. Mit Gastgeber Emmanuel Macron hatte Trump schon am ersten Tag des Gipfels gesprochen, mit dem britischen Premierminister Boris Johnson am Sonntagmorgen. Trump stellte ein „sehr großes“ Handelsabkommen mit Großbritannien in Aussicht, mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe präsentierte er sogar ein schon fast fertiges Abkommen. Nur Deutschland spielte in diesen Tagen an der französischen Atlantikküste allenfalls eine Nebenrolle.

          Als Merkel in der Pressekonferenz in deutscher Sprache dafür warb, dass auch die EU und die Vereinigten Staaten ein Handelsabkommen abschließen sollten, sagte Trump: „Das klingt nicht gut.“ Als er die Übersetzung ins Amerikanische hörte, korrigierte er sich: Natürlich wolle er das, „einen guten Deal für alle“. Und nach Berlin kommen, das wolle er auch, womöglich schon bald. Merkel machte dann doch noch mal klar, dass es an ihr nicht scheitert. „Ich habe den Präsidenten schon vielfach eingeladen.“ Trump sagte, er fühle sich geehrt. „Wir werden kommen. Ich habe Deutsch im Blut.“ („I have German in my blood.“)

          Das Treffen der beiden war eigentlich schon für Montag Morgen geplant, wurde dann aber ohne Begründung auf den späten Vormittag verschoben. Trump begann den Tag mit der Ankündigung, dass China mit ihm wieder über ein Handelsabkommen sprechen wolle und dass dies eine großartige Nachricht für die Welt sei. Schon am Vortag war der Zeitplan durch den überraschenden Besuch des iranischen Außenministers Dschawad Zarif durcheinandergebracht worden. Macron hatte Zarif kurzfristig eingeladen, um die Verhandlungen zur Rettung des Atomabkommens mit Iran fortzusetzen, die am Freitag in Paris begonnen hatten. Zweieinhalb Stunden lang diskutierten im Rathaus von Biarritz zunächst der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian und später 30 Minuten lang Macron persönlich mit dem Emissär aus Teheran.

          Trump: Iran muss Terrorismus entsagen

          Merkel begrüßte den Besuch Zarifs, es sei „absolut richtig, jede Möglichkeit auszuloten, um den Atomkonflikt zu entschärfen“. Iran leide unter den Sanktionen. Die Bundeskanzlerin entsandte ihren Berater Jan Hecker zu den Verhandlungen, auch der britische Premierminister schickte seinen Sherpa.

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