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Merkel in Indien : Ohne Schuhe auf Gandhis Wegen

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi Bild: EPA

Eine berittene Abordnung und Ehrensalutschüsse – pompöser als üblich empfängt Indien Bundeskanzlerin Merkel und ihre Regierung zu Konsultationen. Üppig bedacht wird sie auch mit Gandhi-Devotionalien.

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          Dass Indien die gleiche Aufmerksamkeit wie China verdient, demonstriert Bundeskanzlerin Angela Merkel durch regelmäßige „Regierungskonsultationen“ – so heißen die Treffen, bei denen außer den Regierungschefs auch eine ganze Reihe von Ministern mit ihren jeweiligen Kollegen zusammenkommen, Besprechungen halten, Vereinbarungen schließen. Die Kanzlerin absolviert zwar nicht ganz so viele Reisen nach Delhi wie nach Peking, wo sie fast jedes Jahr zu Besuch ist, ihr Aufenthalt in Indien an diesem Freitag und Samstag ist aber auch schon der vierte.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Sie sei „voller Hochachtung vor diesem großen und vielfältigen Land“, sagt Merkel nach der offiziellen militärischen Begrüßung vor dem Präsidentenpalast, die üppiger ist als in vielen Ländern üblich. Von einer berittenen Abordnung wird das Fahrzeug der Kanzlerin zum Paradeplatz vor dem Präsidentenpalast eskortiert, es gibt Ehrensalut, noch mehr Pferde. Britische Gardetraditionen schimmern durch das indische Zeremoniell. Der Ablaufplan hält fest: „Die Bundeskanzlerin gibt durch Neigen des Kopfes das Signal für Ehrensalutschüsse.“

          Und während Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) schon mit ihrer indischen Kollegin über bessere Informationsprogramme für indische Kleinbauern berät, während Außenminister Heiko Maas (SPD) mit dem indischen Außenminister über den Kaschmirkonflikt spricht und Bildungsministerin Anja Karliczek sich über berufliche Bildung  austauscht, hat die Kanzlerin noch einen Protokolltermin: Die Kranzniederlegung an der Einäscherungsstätte Mahatma Gandhis. Hier vermerkt die Protokoll-Anweisung: „Die Bundeskanzlerin wird zum Gewölbebogen geleitet, zieht dort die Schuhe aus und geht langsam zur Einäscherungsstätte.“

          Auf Strümpfen streut Merkel dann Blütenblätter auf den altarartigen Block, der die Stätte markiert; ins Gästebuch schreibt sie eine Widmung „im Gedenken an Gandhis tiefen Glauben an die friedliche Revolution“, welche die Welt verändert habe – „auch in Deutschland“. Das ist eine Reminiszenz an die Oppositionsbewegung der DDR, die ostdeutsche Wendezeit und den Beginn ihrer eigenen politischen Arbeit im Wendeherbst vor 30 Jahren.

          Schließlich beginnt das Beratungsprogramm. Mehr als ein halbes Dutzend Begegnungen mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi wird Merkel im Laufe des Tages haben: Gespräch unter vier Augen, Gespräch im erweiterten Kreis, Treffen der beiden Kabinette, gemeinsames Mittagessen, gemeinsame Begegnung mit Unternehmern, die aus Deutschland zu diesem Anlass nach Delhi gekommen sind, gemeinsames Dinner.

          „Familienfoto“ mit Ministerin

          Die Themenliste ist lang und längst über Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Zusammenarbeit hinausgewachsen. Es geht um die außenpolitische Orientierung der „größten Demokratie der Welt“, um indische Unterstützung für jene „Allianz der Multilateralisten“, die der deutsche Außenminister und die Kanzlerin seit einiger Zeit gegen eine Politik nationaler Egoismen propagieren, wie sie inzwischen in Ankara, Moskau, Peking oder Washington betrieben wird. Auch Indiens Rolle in der Region wird erörtert, das Verhältnis zu den Nachbarn China und Pakistan, und auch, welche Rolle Indien künftig bei der Stabilisierung Afghanistans spielen könnte.

          Nachmittags kommt nochmals Gandhi ins Programm – Modi und Merkel besuchen gemeinsam das Haus, in dem er die letzten Wochen seines Lebens verbrachte, und in dessen Garten er von einem nationalistischen Hindu erschossen wurde. Gandhis letzter Weg von seinem Zimmer auf den Rasen ist mit Fußstapfen aus Beton markiert und mit Chrysanthemenblüten geschmückt.

          Schon morgens, nach dem Besuch des Einäscherungsplatzes, war die Kanzlerin mit Devotionalien beladen worden: Eine Gandhi-Büste, das Modell eines Spinnrades, ein Wandbehang mit Gandhis Liste der sieben Todsünden der modernen Gesellschaft. Die siebte verzeichnete Sünde lautet: „Politik ohne Prinzipien“.

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