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Merkel in China : Besuch bei fast besten Freunden

  • -Aktualisiert am

Auch vor einem Jahr führte Kanzlerin Merkel in Peking ergiebige Gespräche mit Chinas Ministerpräsident Li Keqiang Bild: dpa

Die Kanzlerin bricht an diesem Mittwoch nach China auf - mit zahlreichen hochrangigen Wirtschaftsbossen im Schlepptau. Ein Abkommen der Börsenplätze Frankfurt und Schanghai wird erwartet. Deutschland ringt mit Großbritannien um die chinesische Gunst.

          Wie sich die Zeiten ändern: Vor etwas mehr als einem Jahr, bei Angela Merkels vorerst letzter Reise nach China, war Martin Winterkorn mit von der Partie - der damals unumschränkte Chef von Volkswagen. In Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, wurde mit allen Insignien eines Kanzlerinnenbesuchs ein neues Werk des Wolfsburger Autobauers besichtigt und damit gewürdigt. China ist der wichtigste Markt für VW. Dieses Mal, bei Merkels Reise, zu der sie am Donnerstag in Peking eintrifft, gehört Matthias Müller zur Wirtschaftsdelegation der Bundeskanzlerin.

          Wie die Zeiten bleiben: Müller ist VW-Chef. Das ist ein Zeichen - auch wenn in diesem Jahr nicht der Besuch einer Niederlassung von Volkswagen auf dem Reiseprogramm Merkels steht. Müller könnte während des Fluges von Berlin nach Peking die Bundeskanzlerin über Details des „Abgas-Skandals“ unterrichten. Falls Merkel, was meistens in solchen Fällen so ist, nicht ohnehin im Detail schon Bescheid weiß. Dass der VW-Skandal mit seinen Folgen das Geschäft des Konzerns in China nicht belaste, wurde nun als Einschätzung seitens der Bundesregierung mitgeteilt. Der Grund: In China würden nur wenige Dieselfahrzeuge verkauft. Auch wurde die Hoffnung geäußert, wegen der VW-Sache werde nicht die ganze deutsche Wirtschaft in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt in Misskredit geraten. Für VW etwa ist China der wichtigste Absatzmarkt. Für die meisten anderen deutschen Autohersteller auch.

          18 Chefs deutscher Groß- und Weltunternehmen sind dabei

          China-Reisen von Bundeskanzlern sind seit Gerhard Schröders Reisen stets etwas Spezifisches: Regierungschefs als Handelsreisende. Schröder hatte sich vorgenommen, jedes Jahr einmal in Peking aufzutauchen. Er hat es fast geschafft. Und jedes Mal stand neben Peking eine andere Industriemetropole auf dem Programm. Merkel setzt diesen Brauch fort. Vor zehn Jahren wurde sie zur Bundeskanzlerin gewählt. Nun bricht sie zu ihrer achten Reise nach China auf. Außer in Peking war Merkel seit ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin bei ihren China-Reisen in Shanghai, Nanjing, Xi’an, Kanton und Chengdu. Diesmal wird sie in Peking und Hefei sein, der Hauptstadt der Provinz Anhui, wo die Automobil-, Textil-, Stahl- und Chemische Industrie vertreten ist. Stets wurde sie von einer großen und hochrangig besetzten Wirtschaftsdelegation begleitet. 18 Chefs deutscher Groß- und Weltunternehmen sind dieses Mal dabei: Maschinenbau, Automobilherstellung, Elekroindustrie, Finanzwesen sind vertreten. 5000 deutsche Unternehmen haben nach Zählung der Bundesregierung geschäftliche Engagements in China. Zum Vergleich: In Indien sind es 1600.

          Gute Laune: der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang und Kanzlerin Merkel bei Keqiangs Besuch im Oktober 2014 in Berlin

          Es fügt sich, dass das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Chinas seit Montag über einen bis 2020 reichenden Fünf-Jahr-Plan berät. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds wird das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft sinken - von 6,8 Prozent in diesem Jahr auf 6,3 Prozent im nächsten und 6,0 Prozent im Jahr 2017. Deutsche Regierungskreise suchen daraus eine positive Wirkung für die deutsche Wirtschaft abzuleiten. Die chinesische Führung setze auf ein „nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ - gestützt auf die Binnenkonjunktur. Daran aber sei die deutsche Wirtschaft besonders interessiert. Auf entsprechenden Gebieten sei sie auch besonders tauglich.

          Abkommen zwischen Börsen Frankfurt und Schanghai geplant

          Es gehört zum Brauch solcher Reisen, dass aus ihrem Anlass Abkommen oder auch nur Absichtserklärungen zwischen chinesischen und deutschen Partnern unterzeichnet werden - stets im Beisein der freundlich dreinblickenden Regierungschefs. Entsprechende Details dieser Merkel-Visite sollen erst am Donnerstag mitgeteilt werden, wenn es soweit ist. Doch wurde nicht mehr dementiert, dass eines zwischen den Börsenplätzen Frankfurt und Schanghai dazu gehöre. Doch hieß es, das Finanzvolumen der in Rede stehenden Abkommen werde die Zahlen der jüngst in London getroffenen - und unter großem Pomp mitgeteilten - britisch-chinesischen Vereinbarungen nicht erreichen.

          Dass Deutschland aber weiterhin der mit Abstand wichtigste europäische Handelspartner bleiben werde - dessen ist sich die Bundesregierung gewiss. 30 Prozent des Handelsvolumens Chinas mit der Europäischen Union entfalle auf Deutschland. Mehr als die 154 Milliarden Euro von 2014 sollen es in diesem Jahr werden.

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