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Merkel in Athen : Freundschaft und andere Probleme

  • -Aktualisiert am
Zu zweit: Ruhiges Gesprächsklima zwischen Antonis Samaras und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Athen
          6 Min.

          Mut machen und keinesfalls Gräben aufreißen, hat die Devise gelautet. Wohlwollende Worte, Lob und Dank gegenseitig auszusprechen, hatten sich Angela Merkel, die in Griechenland als besonders streng geltende deutsche Bundeskanzlerin, und Antonis Samaras, der griechische Ministerpräsident, vorgenommen. „Wir sind Partner und wir sind Freunde“, sagte Frau Merkel im dichten Gedränge des griechischen Ministerpräsidenten-Amtes, und sie wisse, dass viele Menschen in Griechenland litten.

          Sie anerkannte auch, dass das Tempo der Reformen in Griechenland größer geworden sei, was, äußerte sie dann in klassischer Merkel-Diktion, allerdings nicht heiße, dass nicht manches noch schneller gehen könne. Immerhin: Der Prozess stelle das ganze Land auf ein neues Fundament. Nicht zuletzt wegen der Demonstrationen in der Stadt mag sie dabei an die Gewerkschaftskundgebungen in Deutschland gedacht haben, als ihr Vorgänger die Agenda-2010-Reformen durchzusetzen versuchte. Samaras assistierte: „Ich sage nie, dass ich zufrieden bin.“ Er versicherte zugleich: „Wir werden das schaffen.“

          In Athen wurden Cartoons gezeichnet

          Eine besondere Geste sollte es sein, ein außergewöhnlicher Empfang, den Angela Merkel ihrerseits bei Staatsbesuchen in Berlin nur bei Besuchen des Papstes oder auch des saudischen Königs pflegt. Antonis Samaras war - was das gewöhnliche diplomatische Protokoll nicht vorsieht - hinaus zum Athener Flughafen gefahren, um seinen Gast zu empfangen. Mehrere Minister seines Kabinetts hatte er mitgebracht, was wiederum eine Geste zu sein schien, weil Angela Merkel ohne Ministerbegleitung diese Reise absolvierte. Blau war der Himmel, die deutsche und die griechische Nationalhymne wurden gespielt. Ein Sechs-Stunden-Besuch in der griechischen Hauptstadt, die auch so etwas wie die Wiege des demokratischen Europas ist, hatte begonnen.

          Zu vielen: Der Besuch der Bundeskanzlerin in Athen wurde von schweren Protesten begleitet. Merkel gerät dabei zum Symbol einer verhassten EU-Sparpolitik Bilderstrecke
          Zu vielen: Der Besuch der Bundeskanzlerin in Athen wurde von schweren Protesten begleitet. Merkel gerät dabei zum Symbol einer verhassten EU-Sparpolitik :

          Es ist nicht der erste Besuch Angela Merkels als Bundeskanzlerin in Athen - wohl aber der erste seit Beginn der internationalen und dann immer mehr auch europäisch werdenden Finanzkrise samt ihres griechischen Schwerpunktes. Beiderseits begannen in den vergangenen zwei Jahren politische Emotionen hochzukochen und Aversionen auszubrechen. Hinterbänkler des Bundestages plädierten dafür, die griechische Regierung solle doch zur Finanzierung ihres Haushaltes Inseln im Mittelmeer verkaufen. Äußerungen über den hässlichen Deutschen waren die Antwort in Athen. Deutsche Ratschläge zum Sparen und zur Reform des griechischen Staatswesens wurden dort als Einmischung in innere Angelegenheiten bewertet.

          Sogar die sich zumeist emotionsfrei gebende Bundeskanzlerin konnte mit Populismen aufwarten. Fast eineinhalb Jahre ist es her, als sie im Mai 2011 in Meschede im Sauerland ihre bekannte Haltung, Leistung, also Hilfe, müsse auf Gegenleistung beruhen, in neue Worte kleidete: „Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig.“ Sie sagte damals auch: „Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen.“ In Athen wurden derweil Cartoons gezeichnet: Angela Merkel mit Hitlerbärtchen.

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