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Merkel bei Bush : Ein guter Tag im Vor-Schröder-Ton

  • -Aktualisiert am

Merkel und Bush: Transaltlantischer Handschlag Bild: AP

Die Bundeskanzlerin ist am Samstag morgen von ihrer ersten Reise nach Washington seit ihrem Amtsantritt nach Berlin zurückgekehrt. Die Schröder-Zeit war schon weit weg, als Angela Merkel und der amerikanische Präsident Bush sich am Freitag im Weißen Haus trafen.

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          Bei aller Neigung, Gutes und Freundliches über die neue Bundeskanzlerin an seiner Seite zu sagen, war dem amerikanischen Präsidenten Bush Böses über Merkels ungeliebten Vorgänger Schröder nicht zu entlocken: Er habe viel Zeit mit Schröder verbracht und hoffe, es gehe ihm gut. Das war es dann aber auch, tatsächlich war die Schröder-Zeit schon weit weg, als Angela Merkel und George Bush sich am Freitag in Washington im Weißen Haus trafen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Bush war voll des Lobes für die Bundeskanzlerin: „Sie ist smart“, sagte er nach dem Gespräch der beiden im Oval Office, und: „Sie liebt die Freiheit.“ Das gefiel Angela Merkel, denn sie bemüht sich derzeit sehr, dieses Bild der Freiheitsliebenden von sich zu verbreiten. Es sei ein offenes und freundschaftliches Gespräch gewesen, das auf einer langen Tradition der deutsch-amerikanischen Beziehungen aufbaue, sagte sie. Dennoch biete sich die Chance, jetzt ein neues Kapitel aufzuschlagen.

          Differenzen über Guantanamo

          Bei allen Nettigkeiten wies Frau Merkel ihren Gastgeber - wie angekündigt - darauf hin, daß ihre Meinung zum Gefangenenlager Guantanamo von der seinen abweiche. Das änderte weder etwas an Bushs Freundlichkeit noch an seiner Haltung: „Guantanamo ist erforderlich, um die Sicherheit des amerikanischen Volkes zu gewährleisten.“

          Welcome to Washington, Mrs. Bundeskanzlerin

          Daniel Coats hatte also recht behalten. Am späten Donnerstag abend hatte der Mann, der in den zurückliegenden schwierigen Jahren amerikanischer Botschafter in Berlin war, in der Residenz des deutschen Botschafters in Washington gestanden und vorausgesagt, Bundeskanzlerin Merkel werde am Freitag einen guten Tag mit Präsident Bush verbringen. Ihr Aufenthalt in Washington war kurz - knapp 24 Stunden, doch der Präsident widmete ihr viel Zeit.

          Ein guter Tag

          Erst sprachen die beiden am Freitag unter vier Augen miteinander, etwa eine Dreiviertelstunde, dann erweiterten sie den Kreis. Nach einem Auftritt des Präsidenten und der Kanzlerin vor der Presse lud Bush zum Mittagessen, an dem sogar seine Frau teilnahm. Es war also ein guter Tag, obschon ernste Fragen auf dem Programm standen. Die heikelste war der Umgang mit Iran und dessen Streben nach Atomwaffen.

          Die Kanzlerin zeigte sich in Washington „froh“ über die Verabredung der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens, den Fall möglichst bald an den UN-Sicherheitsrat zu überstellen. Vor allem durch die israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadineschad sei Deutschland herausgefordert im Iran-Konflikt, sagte Frau Merkel. Und fügte hinzu: „Wir arbeiten daran, Iran zu zeigen, daß die Staatengemeinschaft sich nicht von ihm provozieren läßt.“

          Hohe Erwartungen

          Doch so wichtig dieses Thema für Berlin und Washington auch ist, Angela Merkel war nicht nach Washington gereist, um mit Präsident Bush über Iran zu reden. Es sei ihre Antrittsreise, bei der nicht einzelne Themen im Mittelpunkt stünden, hatte es in Berlin zuvor geheißen. Merkel wolle mit ihrer Reise an die Begegnung mit Bush im Februar 2005 anknüpfen. Damals hatte sie ihn in Mainz getroffen, Gerhard Schröder war Kanzler, und die CDU-Vorsitzende konnte nicht ahnen, daß sie nicht einmal ein Jahr später ihre nächste Begegnung mit Bush als Bundeskanzlerin erleben würde.

          Zu einem Essen in der deutschen Botschaft am Abend zuvor war viel amerikanische Prominenz erschienen, neugierig, die Neue aus Berlin zu sehen. Rechts neben der Kanzlerin saß der scheidende Notenbankchef Alan Greenspan, links von ihr der ehemalige Außenminister Bushs, Colin Powell, und ihr gegenüber Powells Vorgängerin Madeleine Albright, die unter Clinton Dienst tat. Mit hohen Erwartungen begegneten ihr ihre amerikanischen Gastgeber, „fast schon zu hoch“, befürchtet manche deutsche Stimme in Washington. Eine Erwartung erfüllte die Kanzlerin schon gleich nach ihrer Ankunft: Sie schlug einen neuen Ton an oder zumindest denjenigen, der in der Vor-Schröder-Zeit im deutsch-amerikanischen Miteinander üblich war.

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