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Mindestens acht Schüsse : Menschenrechtlerin in Rio ermordet

  • Aktualisiert am

Frauen trauern am Mittwochabend (Ortszeit) in der Straße von Rio, in der die Menschenrechtlerin und Stadtabgeordnete Marielle Franco ermordet wurde. Bild: Reuters

Marielle Franco leitete die Menschenrechtskommission, die die Mitte Februar gestartete Intervention des Militärs in Rio überwachte. Sie prangerte Morde durch Polizisten öffentlich an. Jetzt ist sie tot.

          Im Zentrum von Rio de Janeiro ist am späten Mittwochabend (Ortszeit) eine Menschenrechtsaktivistin von Unbekannten erschossen worden. Die Polizei geht laut Medienberichten von einer Hinrichtung aus. Die 38-jährige Marielle Franco war Abgeordnete des Stadtparlaments von Rio und leitete die Menschenrechtskommission, die die Mitte Februar gestartete Intervention des Militärs in Rio überwachte.

          Der Wagen der Abgeordneten der linken PSOL-Partei wurde den Angaben zufolge gegen 21.30 Uhr (Ortszeit) von einem anderen Fahrzeug gestoppt. Mindestens acht Schüsse seien auf Francos Wagen abgegeben worden. Auch ihr Fahrer erlag seinen Schussverletzungen; eine Assistentin überlebte. Die Täter flüchteten.

          Franco hatte bei den Kommunalwahlen 2016 in Rio das fünftbeste Ergebnis aller Kandidaten erreicht. Die Politikerin afrobrasilianischer Herkunft stammt aus dem Armenviertel Mare, einem der gewalttätigsten Viertel Rios. Sie galt als Vorkämpferin für die Rechte schwarzer Frauen in der brasilianischen Gesellschaft. Ihre Magisterarbeit in Soziologie schrieb sie über die 2008 gestartete Befriedung von Rios Favelas durch die Polizei.

          Nach dem Scheitern dieser Befriedungspolitik hatte Staatspräsident Michel Temer Mitte Februar Rios Sicherheitsapparat einem General unterstellt. Franco wurde Ende Februar zur Vorsitzenden einer Kommission ernannt, die die Militäraktionen in den Armenvierteln überwachen soll.

          Vor wenigen Tagen hatte sie in sozialen Netzwerken einen Mord an zwei Jugendlichen in der Favela Acari angezeigt. Sie beschuldigte die Landespolizei Policia Militar (PM) der Morde. Am Dienstag postete sie Informationen über einen weiteren Mord durch die PM an einem Jugendlichen. „Wie viele müssen noch sterben, bevor dieser Krieg endet?“ schrieb sie darunter.

          Viele Polizisten der PM gelten als korrupt. Eines der Ziele der Militärintervention ist deshalb, Rios Polizei zu säubern. Der erst seit wenigen Tagen amtierende Minister für innere Sicherheit, Raul Jungmann bot noch in der Nacht dem General, der die Intervention führt, Hilfe der Bundespolizei bei den Ermittlungen an.

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