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Eskalation im Himalaja : Mehrere tote Soldaten an Grenze zwischen China und Indien

Fahrzeuge der indischen Armee im Osten Kaschmirs Bild: Reuters

Rivalisierende Truppen der beiden Staaten stehen sich seit Wochen im Himalaja gegenüber. Nun hat es zum ersten Mal nach Jahrzehnten an der Grenze Tote gegeben. Schüsse sollen aber nicht gefallen sein.

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          Gefährliche Eskalation auf dem Dach der Welt: Nach Angaben der indischen Armee sind in der Nacht zum Dienstag bei einer „gewaltsamen Auseinandersetzung“ im indisch-chinesischen Grenzgebiet mindestens 20 indische Soldaten getötet worden. 17 von ihnen seien gestorben, nachdem sie beim Vorfall von Montagnacht schwer verwundet wurden sowie Temperaturen von unter Null Grad und großer Höhe ausgesetzt waren, wie ein indischer Armeesprecher am Dienstagabend mitteilte. Auch auf der chinesischen Seite soll es Tote gegeben haben. Über deren Anzahl gab es jedoch zunächst keine Angaben.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Truppen der beiden Länder waren demnach im Galwan-Tal im Himalaja bei einer körperlichen Konfrontation aneinandergeraten. Schüsse waren dieser Darstellung nach aber nicht gefallen. Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums gab der indischen Seite die Schuld an dem Vorfall. Er teilte mit, die indischen Truppen hätten am Montag zwei Mal die Grenze überschritten und „provokante Angriffe“ auf die chinesischen Mannschaften geführt. Das habe eine „schwere körperliche Auseinandersetzung“ zur Folge gehabt.

          In dem Gebiet stehen Militärs der beiden Staaten einander schon seit Wochen gegenüber. Der Grenzverlauf im Himalaja ist zwischen China und Indien umstritten. Schon vor ein paar Wochen waren chinesische und indische Soldaten mit Fäusten, Stöcken und Steinen aufeinander losgegangen. Dabei waren Dutzende Soldaten verletzt worden. Es ist die gleiche Region, in der die beiden Länder sich 1962 schon einen kurzen aber heftigen Grenzkrieg geliefert hatten. Todesfälle hatte es bei Grenzvorfällen aber seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

          Auf Trumps Angebot geht keiner ein

          Indien hatte den chinesischen Truppen in den vergangenen Wochen vorgeworfen, sie seien kilometerweit in das von Indien beanspruchte Territorium vorgerückt. Peking beschuldigte Delhi im Gegenzug, durch den Bau einer Straße in der Nähe den Status quo ändern zu wollen. Im Verlauf der Konfrontation hatten beide Seiten ihre Truppen verstärkt.

          Bild: Levinger

          Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums warnte am Dienstag Indien davor, Truppen über die Grenze zu schicken und mit „einseitigen“ Aktionen die Lage komplizierter zu machen. Den indischen Angaben nach versuchten ranghohe Militärs am Dienstag die Situation durch Verhandlungen am Ort zu beruhigen. Vor etwas mehr als einer Woche hatten sich die beiden Seiten eigentlich schon darauf verständigt, ihre Differenzen friedlich beizulegen. Das Außenministerium in Peking hatte mitgeteilt, dass bei einem Treffen der Regionalkommandeure ein „Konsens“ erzielt worden sei. Daraufhin hatten sich indischen Berichten nach die rivalisierenden Truppen jeweils ein Stück weit zurückgezogen. Zuvor hatte der amerikanische Präsident Donald Trump angeboten, in dem Konflikt zu vermitteln. Auf das Angebot war aber keine der beiden Seiten eingegangen.

          Der 3500 Kilometer lange Grenzverlauf zwischen den beiden Atommächten wird in diesem Gebiet als „Line of Actual Control“ (LAC) bezeichnet. In den vergangenen Jahren war es dort mehrmals zu Spannungen gekommen. Im Jahr 2017 hatten sich chinesische und indische Soldaten in Ladakh eine Schlägerei geliefert. Im selben Jahr standen Soldaten beider Länder einander in Bhutans Doklam-Region gegenüber, nachdem die indische Armee Truppen entsandt hatte, um China am Bau einer Straße zu hindern. In Indien wird nun befürchtet, China könnte die Corona-Krise nutzen, um das Territorium unter seiner Kontrolle zu vergrößern. Die Zahl der Infektionen ist in Indien zuletzt rasant gestiegen. Indien ist nun das Land mit den meisten Infektionen nach den Vereinigten Staaten, Brasilien und Russland.

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