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Nahostkonflikt : Mehrere Tote nach Operation Israels im Gazastreifen

Die israelische Luftwaffe reagierte mit Luftangriffen in Gaza-Stadt auf einen massiven Raketenbeschuss durch militante Palästinenser. Bild: AFP

Eine Operation israelischer Spezialkräfte im Gazastreifen ist missglückt. Es gab Tote auf beiden Seiten. Militante Palästinenser antworteten mit Raketenbeschuss, Israel erwidert das Feuer aus der Luft.

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          Nach einer Operation israelischer Spezialkräfte im Gazastreifen in der Nacht zum Montag, bei der ein israelischer Oberstleutnant sowie sieben palästinensische Kämpfer getötet worden waren, haben militante Palästinenser am Montagabend mehr als zweihundert Mörsergranaten und ungelenkte Raketen auf den Süden Israels abgefeuert. Sechzig Geschosse wurden vom Abwehrsystem Iron Dome abgefangen, die anderen landeten größtenteils in offenem Gelände, zum Teil aber auch in bewohnten Gegenden. Außerdem wurde ein ziviler israelischer Bus vor dem Kibbutz Kfar Aza von einer Panzerabwehrrakete getroffen, mindestens eine Person wurde dabei schwer verletzt. Israels Streitkräfte antworteten mit Luftangriffen auf dreißig Ziele der Hamas und des Islamischen Dschihad in Gaza. Dabei wurden mindestens zwei weitere Palästinenser getötet.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Das israelische Militär hatte zuvor den Verlust eines Offiziers bestätigt und mitgeteilt, die nächtliche Operation habe nicht der Tötung oder Entführung von Terroristen gegolten, sondern sollte „Israels Sicherheit stärken“. Nach Angaben der islamistischen Hamas gelangten die israelischen Spezialkräfte als Palästinenser verkleidet in einem zivilen Fahrzeug rund drei Kilometer tief in den südlichen Teil des Gazastreifens. An einem Hamas-Kontrollpunkt vor der Stadt Khan Younis seien sie angehalten worden, woraufhin ein Feuergefecht begann. Die Israelis zogen sich unter Deckungsfeuer israelischer Panzer- und Luftangriffe zurück. Dabei wurde auch ein örtlicher Hamas-Kommandeur getötet sowie ein Kämpfer einer anderen militanten Gruppe.

          Hamas kündigt Vergeltung an

          Der neuerliche Gewaltausbruch ließ Zweifel daran aufkommen, dass Israel und die Hamas tatsächlich vor einer Waffenstillstandsvereinbarung stehen. In den vergangenen Tagen hatte Israel die Lieferung von Diesel und Bargeld aus Qatar in Höhe von zunächst 15 Millionen Dollar in den Gazastreifen erlaubt, um die humanitäre Situation zu entspannen. Im Gegenzug hatte die Hamas die Proteste vor dem Zaun zwischen Gaza und Israel beruhigt, neue Raketen wurde nicht mehr abgeschossen. Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte sagte, die Operation hänge nicht mit den Verhandlungen zusammen.

          Ein früherer General der Spezialkräfte vermutete im israelischen Fernsehen, die Operation habe der Aufklärung gedient und sei nicht ungewöhnlich. Die Hamas pries den Tod des israelischen Offiziers. Die Gruppen „Volkswiderstandskomitees“ und „Islamischer Dschihad“ kündigten Vergeltung an.

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu brach seinen Besuch in Paris ab und flog am Sonntagabend zurück nach Israel. Noch in Paris hatte Netanjahu gesagt, er „tue alles, um einen unnötigen Krieg zu verhindern“. Der Ministerpräsident hat auch gegen die Widerstände einiger seiner Koalitionspartner viel investiert, um eine Art längerfristigen Waffenstillstand mit der Hamas zu erreichen. Eine größere politische Lösung unter Einschluss der mit der Hamas verfeindeten palästinensischen Führung in Ramallah sieht Netanjahu indes nicht.

          Auch der Hamas-Anführer im Gazastreifen Jahja Sinwar hat sich zuletzt immer wieder für eine „vorübergehende“ Waffenstillstandslösung ausgesprochen, was ihn auch in Gaza unter Druck setzt, mehr noch, wie seine Seite Verluste zu beklagen hat. Eine „Antwort“ auf die missglückte Kommandooperation schien aus Sicht der Gaza-Führung unausweichlich. Doch auch Israel kann einen derartigen Raketenangriff schwer hinnehmen. Am Montag kam Netanjahu mit der Militärführung im Verteidigungsministerium in Tel Aviv zusammen. Vor dem Gazastreifen zog die israelische Armee weitere Panzer zusammen.

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