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Mehr Seriosität : Rollentausch am rechten Rand

  • -Aktualisiert am

Rechtsruck: „Wenn du nach Ungarn kommst, kannst du den Ungarn nicht die Arbeit wegnehmen“ - diese Plakate hing Orbans Fidesz auf. Bild: EPA

Ungarns Radikale entdecken die Mitte für sich. Weil Viktor Orbán den Platz dort geräumt hat.

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          Ungarns Rechtsextreme sehen sich links von Viktor Orbán. Das ist seltsam, denn der Name ihrer Partei bedeutet auf Deutsch „Die Rechteren“: Jobbik. Ihr Vorsitzender Gábor Vona sorgte nach der Gründung dafür, dass tatsächlich keine Partei rechter war als seine eigene. Das war 2003. Vier Jahre später gründete er die „Ungarische Garde“, eine paramilitärische Parteimiliz. Deren uniformierte Mitglieder halfen nicht nur bei Überschwemmungen, sondern zelebrierten regelmäßig Aufmärsche und gefielen sich als Bürgerwehr gegen „Zigeunerkriminalität“ im ländlichen Raum. Vona, ein Geschichtslehrer, machte immer wieder mit martialischen Reden auf sich aufmerksam. In der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ ließ sich Vona in jener Zeit über das „Zigeunerproblem“ und den Einfluss des „internationalen Judentums“ aus. Als Jobbik 2010 mit stattlichen 16,7 Prozent erstmals ins ungarische Parlament einzog, sandte der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt eine Grußbotschaft an Jobbik, in der er den ungarischen Kameraden überschwänglich gratulierte. Später forderte ein Jobbik-Abgeordneter, Listen mit Juden zu erstellen, die ein nationales Sicherheitsrisiko sein könnten. Ein anderer Abgeordneter verbrannte auf einer öffentlichen Kundgebung unter dem Jubel von Anhängern eine EU-Fahne.

          Im Club wesensverwandter Kräfte im Europäischen Parlament waren Jobbik nicht die Rechteren, sondern die Rechtesten. Die FPÖ wollte mit den Ungarn nichts zu tun haben. Ebenso wenig Marine Le Pens Front National, seit 2011 um eine „Entdämonisierung“ bemüht. Ein Jobbik-Politiker wiederum nannte den Front National abschätzig „eine fast zionistische Organisation“.

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