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Übergriffe am Gardasee : Innenministerin verspricht mehr Polizei und Videoüberwachung

Peschiera del Garda (Symbolbild) Bild: picture alliance / imageBROKER

Wegen sexueller Übergriffe bei einem Flashmob am Gardasee wird gegen vier junge Männer afrikanischer Herkunft ermittelt. Rechte Parteien werfen der Innenministerin vor, ein nationales Phänomen herunterzuspielen.

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          Nach den Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen am Rande einer Flashmob-Party am Gardasee vom 2. Juni sind Ermittlungen gegen vier Personen eingeleitet worden. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft von Verona am Donnerstag mitteilte, müssen sich die jungen Männer mit Migrationshintergrund wegen sexueller Übergriffe auf fünf Mädchen im Regionalzug nach Mailand sowie wegen Schlägereien und Vandalismus in der Ortschaft Peschiera del Garda verantworten.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am Donnerstag berief der Präfekt von Verona eine Sitzung des Ausschusses für öffentliche Ordnung und Sicherheit ein, an der auch die Bürgermeister mehrerer Gemeinden am Südufer des Gardasees sowie Vertreter der Regionalbahnen teilnehmen. Am Mittwoch hatte Innenministerin Luciana Lamorgese im Parlament in Rom angekündigt, zur Vermeidung künftiger potentieller gewaltsamer Flashmob-Partys würden in den Ferienorten am Gardasee mehr Polizisten eingesetzt. Zudem sollen in den Regionalzügen, in welchen die Jugendlichen aus den Ballungsräumen um Turin und Mailand an den See reisen, Überwachungskameras installiert werden. Migrationsfeindliche rechte Parteien kritisierten die Maßnahmen als ungenügend und warfen Ministerin Lamorgese vor, statt eine grundlegende Strategie zur Vermeidung solcher Ereignisse vorzulegen, habe sie ein nationales Phänomen als ein lokales Problem heruntergespielt.

          Sie wollten den Bade- und Ausflugsort „erobern“

          Am „Tag der Republik“ waren 2000 bis 2500 aus dem Maghreb und aus Schwarzafrika stammende Jugendliche nach Peschiera del Garda gekommen. Sie hatten sich über die sozialen Medien unter dem Motto „L‘Africa à Peschiera“ (Afrika in Peschiera) verabredet, um den Bade- und Ausflugsort „zu erobern“. Es kam zu Schlägereien und Übergriffen auf Badegäste, Schaufenster wurden eingeschlagen und Autos demoliert. Es gab mehrere Verletzte. Im überfüllten Regionalzug nach Mailand wurden sechs Frauen im Alter von 16 und 17 Jahren von mehreren jungen Männern sexuell belästigt.

          Die misshandelten Frauen konnten den Zug nach gut einer halben Stunde Fahrt am Bahnhof Desenzano del Garda verlassen, wo sie Anzeige bei der Bahnhofspolizei erstatteten. Später erstatteten weitere zehn Frauen Anzeige wegen sexueller Übergriffe in Peschiera del Garda. Die Bürgermeister der benachbarten Städte Peschiera und Desenzano warfen dem Polizeipräsidium vor, auf die Flashmob-Partys nicht angemessen vorbereitet gewesen zu sein. Die Vorfälle vom Gardasee hatten die Debatte über die missglückte Integration von Migranten aus Afrika sowie von Söhnen von Einwandererfamilien aus dem Maghreb neu befeuert.

          Nach den Vorfällen vom Gardasee hatten die als „Baby Gangs“ bekannten Gruppen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den sozialen Medien zu weiteren Flashmob-Partys aufgerufen, etwa in Riccione bei Rimini. Zu den angekündigten Partys kam es dann aber nicht.

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