https://www.faz.net/-gpf-14155

Medienbericht : „Französischer Atommüll in Sibirien“

Bild: F.A.Z.

Frankreich lädt einen Teil seines Atommülls heimlich in Sibirien ab. Das berichtet die Zeitung „Libération“. Seit Mitte der neunziger Jahre seien jährlich 108 Tonnen abgereichtertes Uran aus französischen Reaktoranlagen in das 8000 Kilometer entfernte Sewersk gebracht worden.

          Frankreich lädt einen Teil seines Atommülls heimlich in Sibirien ab. Das berichtete die Zeitung „Libération“ am Montag. Etwa 13 Prozent der Abfälle aus französischen Atomkraftwerken lagerten in der für die Öffentlichkeit unzugänglichen sibirischen Stadt Sewersk, schreibt „Libération“ nach acht Monate währenden Recherchen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Seit Mitte der neunziger Jahre werden demnach jährlich 108 Tonnen abgereichtertes Uran aus den Reaktoranlagen des französischen Elektrizitätskonzerns EDF 8000 Kilometer weit nach Sibirien gebracht. Der Atommülltransport erfolge zunächst auf dem Seeweg (von Le Havre nach Sankt Petersburg) und dann auf der Schiene. Der Atommüll werde in Sewersk unter freiem Himmel „auf einem Parkplatz“ aufbewahrt. „Libération“ schreibt, die EDF-Konzernleitung habe diese Informationen bestätigt, aber auf einen Kommentar verzichtet.

          Umweltminister Borloo: „Kein Geheimnis“

          Frankreich deckt etwa 80 Prozent seines Strombedarfs aus der Kernenergie, es betreibt 58 Reaktoranlagen. Der in Sibirien gelagerte Atommüll gehöre nicht mehr EDF, sondern dem russischen Aufbereitungsunternehmen Tenex, sagte ein EDF-Sprecher. Der Atomkonzern Areva, der in La Hague eine Wiederaufbereitungsanlage unterhält, wies EDF die Verantwortung zu.

          Areva arbeite lediglich im Auftrag von EDF, sagte ein Areva-Sprecher. Von 2012 an werde die mit einer neuen Zentrifugaltechnik arbeitende Fabrik Georges-Besse II am Standort Tricastin in Südfrankreich in Betrieb genommen. Dann könne mehr Atommüll in Frankreich aufbereitet werden, sagte ein Areva-Sprecher.

          „Strategische Frage der Atommülllagerung“

          Der französische Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Jean-Louis Borloo, teilte mit, der Atommülltransfer nach Russland sei „kein Geheimnis“. EDF habe lediglich entschieden, nicht darüber zu kommunizieren. Borloo lehnte es ab, mögliche Sicherheitsrisiken zu kommentieren. Stattdessen regte er eine Debatte über „die Abhängigkeit Frankreichs von Russland in der strategischen Frage der Atommülllagerung“ an.

          An diesem Dienstagabend strahlt der deutsch-französische Fernsehsender Arte einen Film zu den Recherchen der französischen Journalisten aus. Bislang wurde in Frankreich wenig über die Lagerung des Atommülls debattiert. Dabei hat sich mehr als eine Million Kubikmeter radioaktiver Abfall aufgehäuft. Im Land gibt es drei Atommülldeponien; zurzeit werden Standorte für zwei neue Atommülllager gesucht. Bernard Bigot, der bis vor kurzem das französische Kommissariat für Atomenergie leitete und jetzt im Aufsichtsrat von Areva sitzt, spricht „vom Vertrauen in die Zukunft“. Es werde schon eine Lösung für die radioaktiven Abfälle gefunden.

          Weitere Themen

          Großer Protest gegen Nationalismus Video-Seite öffnen

          Europa vor den Wahlen : Großer Protest gegen Nationalismus

          Eine Woche vor der Europawahl sind tausende Menschen in mehreren Städten in Deutschland auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen Nationalismus zu setzen. Europaweit waren Demonstrationen in rund 50 Städten geplant.

          Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.

          Zehntausende demonstrieren für Europa Video-Seite öffnen

          Gegen Nationalismus : Zehntausende demonstrieren für Europa

          Sie sind für Europa und gegen Nationalismus – das zeigten zehntausende in vielen Städten Deutschlands. Auch das Scheitern der rechtspopulistischen Koalition in Österreich war auf den Demonstrationen ein Thema.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Ende : Pech für die Wirtschaft

          Das Aus der schwarz-blauen Regierung ist folgerichtig. Doch wirtschaftlich hat das Bündnis mehr hinbekommen als die Vorgängerregierung. Hoffentlich fällt das Land nicht zurück in Stillstand.
          Die 45. Internationale Waffen-Sammlerbörse im März in Luzern

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.
          Werner Bahlsen

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.