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Medienbericht : BND pessimistisch über Lage in Afghanistan

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Der BND geht offenbar davon aus, dass nach dem Abzug der meisten Truppen 2014 bis zu 35.000 ausländische Soldaten in Afghanistan bleiben müssen Bild: AFP

Der Bundesnachrichtendienst geht laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ von einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan aus. Scharfe Kritik übt der Geheimdienst laut Bericht an Präsident Karzai: Er konzentriere sich nur auf den eigenen Machterhalt.

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          Der Bundesnachrichtendienst zeichnet nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ein pessimistisches Bild von der Lage in Afghanistan. Das Nachrichtenmagazin zitierte am Sonntag in einer Vorabmeldung aus einem internen BND-Bericht mit dem Titel „Afghanistan bis zum Jahr 2014 - eine Prognose“. Darin wirft der Geheimdienst dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai vor, sich nur auf den eigenen „Machterhalt“ zu konzentrieren. Wichtige Reformen und der Kampf gegen die Korruption würden dagegen vernachlässigt.

          Karzai versucht laut BND, seinen älteren Bruder Abdul Qayum bei der geplanten Präsidentschaftswahl im Jahr 2014 als Kandidaten durchzusetzen. Auf diese Weise wolle der Amtsinhaber „die Wahrung der familiären Interessen und den Machterhalt“ absichern. Nach Einschätzung des deutschen Geheimdienstes wird die Entwicklung Afghanistans auch in Zukunft gebremst durch die „Korruptionsanfälligkeit, die persönliche Vorteilsnahme Einzelner und Nepotismus“.

          Die Zahl der Angriffe von Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskräfte auf Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppen wird dem Bericht zufolge weiter zunehmen. Nach Einschätzung des deutschen Geheimdienstes werden überdies auch nach dem geplanten Abzug der Internationalen Isaf-Truppe bis Ende 2014 bis zu 35.000 ausländische Soldaten in Afghanistan gebraucht. Dabei handele es sich um Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte, Kampftruppen zum Schutz der Ausbilder und um Spezialeinheiten zur Jagd auf Rebellenmilizen.

          Mutmaßlicher „Insider-Attentäter“ tötet Isaf-Soldaten

          Unterdessen sind bei einem Gefecht zwischen afghanischen Sicherheitskräften und verbündeten ausländischen Truppen fünf Menschen getötet worden, darunter ein Soldat der Internationalen Schutztruppe Isaf. Die Schutztruppe teilte am Sonntag mit, auch ein ziviler Isaf-Mitarbeiter sei bei dem mutmaßlichen „Insider-Angriff“ in der an Kabul angrenzenden Provinz Wardak ums Leben gekommen. Ein Sprecher der Provinzregierung sagte, neben den beiden Ausländern seien drei afghanische Soldaten ums Leben gekommen. Ein Streit zwischen den Ausländern und den Afghanen bei einer gemeinsamen Operation am Samstagabend habe zu einem Feuergefecht geführt. Zur Nationalität der getöteten Ausländer äußerte sich die Isaf zunächst nicht.

          Die „New York Times“ berichtete, es habe sich um Amerikaner gehandelt. Die Nato-geführte Isaf und das afghanische Verteidigungsministerium kündigten eine Untersuchung an. Die Isaf wollte sich am Abend bei einer Pressekonferenz äußern. Die Zahl von „Insider-Angriffen“ afghanischer Sicherheitskräfte auf Isaf-Soldaten hat zuletzt dramatisch zugenommen. Mit dem jüngsten Vorfall wurden in diesem Jahr bereits 53 Isaf-Angehörige getötet. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 35.

          Die Isaf hatte wegen der zunehmenden Bedrohung die Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften eingeschränkt. Dieses sogenannte Partnering, bei dem Afghanen und Ausländer beispielsweise gemeinsam auf Patrouille gehen, gilt als Kernelement für die Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte. Sie sollen Ende 2014 die Verantwortung im ganzen Land von der Nato übernehmen. Dann soll ein Großteil der ausländischen Soldaten abgezogen sein.

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