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Mazedoniens Außenminister Milososki : „Balkan in die Nato statt Nato auf den Balkan“

  • Aktualisiert am

Antonio Milososki Bild: AFP

Auf dem Nato-Gipfel in Bukarest soll kommende Woche über den Nato-Beitritt Mazedoniens entschieden werden, aber Griechenland leistet Widerstand. Mazedoniens Außenminister Antonio Milososki über die griechische Drohung und die Stabilität der Region.

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          Mazedoniens Außenminister Antonio Milososki gehört der Führungsspitze der konservativen „Demokratischen Partei für die Mazedonische Nationale Einheit“ von Ministerpräsident Gruevski an. Er wurde 1976 in Tetovo im albanisch dominierten Westen Mazedoniens geboren. Milososki studierte Jura in Skopje sowie Politikwissenschaft in Bonn und Duisburg, bevor er im August 2006 Außenminister seines Landes wurde. Neu in der Politik war er da freilich nicht: Während der Krise 2001, die das Land an den Rand eines Bürgerkriegs zwischen der mazedonischen Mehrheit und Aufständischen aus der albanischen Minderheit brachte, war Milososki Regierungssprecher der damaligen konservativen Regierung in Skopje. Mit ihm sprach Michael Martens.

          Griechenland droht, den Beitritt Mazedoniens zur Nato zu blockieren, wenn Ihr Land seinen Namen nicht ändert. Wird Mazedonien nachgeben?

          Es ist sehr undemokratisch, einem Menschen, Land oder Volk das Recht auf den eigenen Namen, die eigene Sprache oder die nationale Identität streitig zu machen. Leider setzt Griechenland die Mazedonier seit Jahren unter Druck, sich vom Namen ihres Landes und von ihrer nationalen Identität loszusagen. Zum Glück ist der Name „Republik Mazedonien“ außer für Athen für kein anderes Mitgliedsland der Nato strittig. Zudem ist die Nato ein Bündnis, das sich mit weit ernsthafteren Fragen beschäftigen muss als mit der Benennung von Ländern. Die Nato-Mitgliedschaft Mazedoniens wird eine zusätzliche Stärkung der Stabilität auf dem Balkan bedeuten, was derzeit mit Blick auf das Kosovo und Serbien wichtig ist. Die griechische Drohung mit einem Veto trifft daher weniger Mazedonien selbst als eine der vorrangigen Aufgaben der Nato. Ich hoffe, dass die Vernunft sich durchsetzen wird. Auf jeden Fall ist es gut, dass 1995 von den Regierungen Griechenlands und Mazedoniens eine pragmatische Übergangsvereinbarung zur Zusammenarbeit geschlossen wurde. Darin wurde auch ein Verzicht auf die Blockade eines Beitritts zu internationalen Organisationen vereinbart, solange dieser unter dem provisorischen Namen „Frühere jugoslawische Republik Mazedonien“ erfolgt. Dieser Vertrag wurde von Athen nicht gekündigt.

          Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat jüngst in Athen gesagt, dass Griechenland in der Nato ein Vetorecht gegen den Beitritt von neuen Mitgliedern habe, es aber kein Beitrittsrecht der Aspiranten gebe. War das ein Wink an Skopje, einzulenken?

          Ich bin sicher, dass wir vom Nato-Generalsekretär eine wesentlich passendere Erklärung erhalten hätten, wenn er sie nicht von Athen, sondern von Kabul aus gegeben hätte, wo mazedonische Soldaten Seite an Seite mit griechischen, deutschen, amerikanischen und anderen Truppen dienen. Dort wird kein Unterschied gemacht in der Frage, welches Land de jure und welches de facto Nato-Mitglied ist, da alle für dasselbe Ziel eintreten und sich täglich Gefahren aussetzen. Für niemanden stellt es ein Problem dar, dass wir unsere Soldaten in Uniformen, auf deren Schulterklappen „Macedonia“ steht, in die Isaf entsandt haben.

          Laut dem am Mittwoch öffentlich gewordenen jüngsten Vorschlag des UN-Unterhändlers Nimetz soll Ihr Land nun als „Republic of Macedonia (Skopje)“ in die Nato eingeladen werden. Wie ist Ihr Kommentar dazu?

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