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Kommentar : Vorerst kein Mayxit

  • -Aktualisiert am

Die britische Premierministerin Theresa May geht in Manchester am letzten Tag des Parteitags der britischen Konservativen auf die Bühne. Bild: dpa

Es ist nicht so, dass niemand wagte, Theresa Mays Führungsvermögen in Frage zu stellen. Potentielle Nachfolger stünden auch bereit. Doch die wollen die Parteivorsitzende nicht beerben – noch nicht.

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          Was hat Theresa May nicht alles getan, um an ihrem eigenen Stuhl zu sägen. Für Juni setzte sie ohne Not Neuwahlen an – und verspielte die absolute Mehrheit ihrer Partei. Ob Jeremy Corbyn ohne das gute Abschneiden Labours jetzt so regeneriert dastünde, ist fraglich. Danach konnte May in Sachen Brexit lange keine klare britische Position benennen. Kürzlich präzisierte sie in Florenz die Haltung ihrer Regierung ein wenig. Aber nach dem langen Warten lösten die bescheidenen Angebote auch keine Begeisterung mehr aus.

          Nun hielt sie auf dem Parteitag der Konservativen ein Rede, die vor allem durch Ausrutscher in Erinnerung bleiben wird: Ein Komiker überreichte ihr auf offener Bühne ein Entlassungsformular, ihr versagte minutenlang die Stimme, ein Buchstabe stürzte im Hintergrund aus dem Schriftzug des Parteimottos. Nun, Theresa May hat auch das überlebt. Sie wurde nicht gestürzt, sie bleibt Vorsitzende der Tories und britische Premierministerin. Warum?

          Es ist nicht so, dass niemand wagte, ihr Führungsvermögen in Frage zu stellen. Schon vor dem Parteitag kursierten Gerüchte über einen Aufstand in den Reihen der Konservativen. Am Tag nach dem Parteitag behauptete der Abgeordnete Grant Shapps, er habe dreißig Fraktionskollegen beisammen, die May sofort stürzen würden. Damit fehlen ihm 18 Abgeordnete für ein offizielles Absetzungsverfahren. Vielleicht kriegt es sie sogar noch zusammen. Es mangelt ja auch nicht an Führungsfiguren, die an Mays Stelle treten könnten: Jacob Rees-Mogg, David Davis und natürlich Boris Johnson.

          Aber die wollen nicht, noch nicht. Selbst wenn es zu einer Neuwahl für den Parteivorsitz käme, würden sie wohl in der Deckung bleiben. Denn im Moment will keiner May beerben. Ihr Job ist nicht begehrt. Der britische Premierminister wird den Landsleuten in den kommenden Monaten viele schlechte Nachrichten verkünden müssen. Und wenn der Brexit kein Erfolg wird – was die meisten erwarten –, bliebe der Name des Regierungschefs auf ewig damit verbunden. Erst wenn sich also alles Unglück mit Mays Person verbunden hat, können beide gemeinsam abgeräumt werden: das Unheil und die Premierministerin.

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