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Betrug, Geldwäsche, Erpressung : Der Mafiajäger und der Kardinal

Kardinal Angelo Becciu am 25. September 2020 in Rom Bild: dpa

Im Vatikan beginnt der Prozess gegen Giovanni Angelo Becciu – den ersten Kardinal, der sich dort vor einem zivilen Gericht verantworten muss. Es geht um Betrug, Amtsmissbrauch, Geldwäsche und Erpressung.

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          In italienischen Medien ist vom „maxiprocesso“ im Vatikan die Rede. Der Ausdruck findet gewöhnlich für Mammutprozesse gegen die Mafia Anwendung, wenn sich Dutzende Clan-Bosse und deren Handlanger in Gerichtsbunkern verantworten müssen. Um Mord und Totschlag geht es freilich nicht, wenn an diesem Dienstag im Vatikan das Verfahren gegen den 73 Jahre alten sardischen Kardinal Giovanni Angelo Becciu und weitere neun Angeklagte beginnt. Aber die rund 490 Seiten umfassende Anklageschrift könnte man sich auch in einem Prozess gegen das organisierte Verbrechen vorstellen: Es geht um Unterschlagung und Betrug, Amtsmissbrauch, Geldwäsche und Erpressung. Erstmals muss sich ein Kardinal vor einem Gericht des Kirchenstaats verantworten, sozusagen als Pate.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Ermittlungen gegen die zehn Angeklagten sowie gegen deren Unternehmen und Briefkastenfirmen erstreckten sich von den Emiraten über die Kanalinsel Jersey und Luxemburg bis nach Slowenien und in die Schweiz. In Rom erwartet man, dass es nach der ersten Anhörung vom Dienstag zunächst zu einer Verfahrenspause bis zum Ende der Sommerferien im September kommt. Der Prozess selbst dürfte sich über Monate oder Jahre hinziehen, allein schon in der ersten Instanz.

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