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Massaker von Madrid : Eta oder Al Qaida?

  • Aktualisiert am

Protest im spanischen Oviedo Bild: REUTERS

Einen Tag vor der spanischen Parlamentswahl machen die regierenden Konservativen weiterhin die Eta für das Massaker von Madrid verantwortlich. Neben der baskischen Terrorgruppe bleiben aber auch Islamisten verdächtig. Angeblich gibt es erste Festnahmen.

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          Für die Anschläge in Madrid mache der spanische Geheimdienst (CNI) „mit 99-prozentiger Sicherheit“ islamistische Extremisten und nicht die Eta verantwortlich, berichtet der spanische private Hörfunksender SER. CNI glaube, daß die Hinweise auf eine radikale Moslem-Gruppe deuteten. Zehn bis 15 Personen hätten Bomben in den Pendlerzügen deponiert und seien dann geflohen, berichtete der Sender, der den oppositionellen Sozialisten nahe steht.

          Dagegen bleibt für die von den Konservativen geführte spanische Regierung weiter die baskische Terrororganisation Eta Hauptverdächtiger für die Anschläge auf Pendlerzüge, bei denen 200 Menschen getötet wurden. Es gebe keine neuen Hinweise darauf, daß die radikal-islamische Al Qaida hinter den Anschlägen stecke, sagte Innenminister Angel Acebes am Samstag. Er schloß aber eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Extremistengruppen nicht aus.

          Rajoy: „Es war die Eta“

          Offen blieb weiter, ob ein Bekennerschreiben einer der Al Qaida zugerechneten Gruppe authentisch war. Zudem wurde eine Videobotschaft gefunden, in der ein mit marokkanischem Akzent sprechender Araber im Namen Al Qaidas die Verantwortung für die Madrider Anschläge übernommen. Das teilte der spanische Innenminister AngelAcebes am frühen Sonntagmorgen auf einer Pressekonferenz mit.

          Videoband entdeckt

          Am Ende des Videobands sagte der Sprecher, es handele sich um eine Erklärung des Militärsprechers des Terrornetzwerks Al Qaida für Europa, Abu Dudschan el Afghani. Das spanische Innenministerium erklärte, es sei unklar, ob der Sprecher sich selbst meinte oder in dessen Namen sprach. „Diese Identität ist weder von spanischen noch internationalen Geheimdiensten bestätigt worden, um deren Hilfe wir gebeten haben“, sagte Acebes. „Wir prüfen die Glaubwürdigkeit dieses Kommuniqués und aus diesem Grund sollte es mit aller Vorsicht betrachtet werden.“

          Die Eta hatte nach Berichten baskischer Medien jede Verantwortung für die Attentate vom Donnerstag bestritten. Acebes sagte, nach wie vor würden beide Möglichkeiten bei den Ermittlungen, die „Fortschritte machen", in Erwägung gezogen. Die Ermittlungen gegen die Eta hätten aber Priorität. Einen Tag vor der spanischen Parlamentswahl hat auch der Spitzenkandidat der regierenden Konservativen abermals die Eta für die Terroranschläge vom Donnerstag verantwortlich gemacht. „Ich verfüge über Fakten, die mich glauben machen, daß es Eta war“, sagte Mariano Rajoy in einem am Samstag veröffentlichten Interview.

          In Spanien gingen am Freitag abend in einem beispiellosen Protest gegen Terror und Gewalt elf Millionen Menschen auf die Straße, das entspricht einem Viertel der Gesamtbevölkerung. Allein in Madrid versammelten sich bei strömendem Regen 2,3 Millionen Demonstranten. Die mehrere Kilometer lange Demonstration führten Ministerpräsident Jose Maria Aznar sowie Mitglieder des Königshauses an. Am Samstag wurden die ersten der inzwischen200 Todesopfer bestattet.

          Einfluß auf das Wahlergebnis

          Die Diskussion über die Hintergründe der Anschläge könnte nach Ansicht von Beobachtern den Ausgang der Wahl am Sonntag beeinflussen. Wenn die Wähler wie die Regierung die Eta für den Terror verantwortlich machen, könnte dies Rajoy, dem Kronprinzen von Aznar, den Rücken stärken. Die Konservativen stehen für ein kompromißloses Vorgehen gegen die baskische Separatistenorganisation. Schenkt die Bevölkerung dagegen den Hinweisen auf eine Urheberschaft islamischer Terroristen mehr Glauben, so könnte dies Beobachtern zufolge die Empörung über Aznars Irak-Politik neu entfachen.

          Die arabische Zeitung „El Kuds al Arabi“ hatte am Donnerstag abend von einem Bekennerschreiben im Namen der Al Qaidia berichtet. Darin werde Spanien ausdrücklich als Verbündeter Amerikas „in dessen Krieg gegen den Islam“ bezeichnet. Aznar hatte gegen den Widerstand der großen Mehrheit der Bevölkerung die amerikanische Invasion in Irak befürwortet und nach dem Krieg 1.300 Soldaten zur Friedenssicherung an den Golf geschickt.

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