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Massaker von Madrid : Das Netz Al Qaidas

  • Aktualisiert am

In Spanien wurden die intensivsten Al-Qaida-Aktivitäten innerhalb Europas beobachtet. Bisher war es indes nie "Kriegsschauplatz", sondern Treffpunkt und Vorbereitungsort gewesen.

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          Es sei noch zu früh, sagte der spanische Innenminister Acebes in der Nacht zum Sonntag, eine Verbindung zwischen den Attentaten von Madrid am 11. März und denen des 16. Mai vorigen Jahres in Casablanca herzustellen. Unter den in der spanischen Hauptstadt festgenommenen drei Marokkanern und zwei Indern könne es aber Beziehungen zu islamischen Extremistengruppen in dem nordafrikanischen Nachbarland geben.

          Um das prüfen zu helfen, wurden am Sonntag marokkanische Terrorabwehrfachleute in Madrid erwartet. Die Regierung des Nachbarlandes, die rasch geholfen hatte, die Identität der drei legal in Spanien lebenden Marokkaner zu bestätigen, hat bittere einschlägige Erfahrungen mit Al-Qaida-"Freiwilligen" gemacht. Eine davon ist die als "Zweigstelle" der Terrororganisation in Marokko geltende Salafistengruppe Islamischer Kämpfer, die nach Darstellung der dortigen Behörden hinter den Anschlägen in der größten Stadt des Landes und Wirtschaftsmetropole Casablanca steckte. Jene Selbstmordattentate im vergangenen Frühjahr richteten sich gegen einheimische und vor allem "spanische Interessen". Katastrophal betroffen war das "Haus Spaniens", ein kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt. Insgesamt kamen in Casablanca damals 45 Menschen ums Leben.

          Treffpunkt und Vorbereitungsort

          Eine zweite "Zweigstelle" der internationalen Terrororganisation Usama Bin Ladins ist die Salafistengruppe GSPC in Algerien. Aus der Umgebung beider Organisationen sind nach dem amerikanischen 11. September in Spanien verdächtigte Mitglieder, Helfer und Sympathisanten festgenommen worden. Mit seither dreiundsiebzig Verhaftungen hat sich Spanien als das europäische Land erwiesen, in dem die intensivsten Al-Qaida-Aktivitäten beobachtet wurden. Bis zum vorigen Donnerstag war es indes nie "Kriegsschauplatz" der Extremisten, sondern Treffpunkt und Vorbereitungsort.

          Hier kamen der später in Pakistan gefaßte "Koordinator" des 11. September 2001, Ramzi Binalshibh, und der "Chefpilot" der Selbstmordattentäter von New York und Washington, Mohammed Atta, zu einem letzten "Gipfel" zusammen. Unter Einwanderern aus Nordafrika fanden sich wiederholt Verdächtige, die in der Umgebung von Moscheen mit radikalen Schriftgelehrten den Behörden als Paßfälscher, Quartiermeister, Geldboten und Handlanger in dem verzweigten Netz der Logistik und Infrastruktur von Al Qaida auffielen. Aufgrund eines berichteten Geständnisses von Binalshib, der von den Amerikanern auf Guantánamo festgehalten wird, konnten zuletzt im Februar in den spanischen Städten Torrevieja und Murcia zwei seiner mutmaßlichen Kontaktpersonen und früheren Fluchthelfer nach Afghanistan, der Algerier Khaled Madani und der Marokkaner Moussa Laouar, festgenommen werden.

          Einer der ersten Verhafteten war im November 2001 der Imam Eddin Barakat Yarbas, alias "Abu Dahdah". Ihn hielt die spanische Polizei für den "Repräsentanten" von Al Qaida im Land. Seine Telefonnummer fand sich in der Hamburger Wohnung der "Zelle" Mohammed Attas. In beiden Salafistengruppen aus dem Maghreb wurden Mitglieder identifiziert, die in afghanischen Al-Qaida-Trainingslagern waren und danach in ihre Heimatländer zurückkehrten oder nach Spanien und in andere europäische Länder weiterzogen. Einige Spuren führten ferner speziell auf den Balkan und bis nach Tschetschenien.

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