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Massaker in Burkina Faso : Brennende Häuser und mindestens 138 Tote

Lokale Verteidigungseinheit gegen den Terror: Eine Gruppe von Kämpfern am 15. März 2020 in Ouagadougou Bild: dpa

Bewaffnete Angreifer haben in Burkina Faso das schlimmste Massaker seit Jahren verübt. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, verurteilte den Angriff aufs Schärfste.

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          Ein Anschlag in Burkina Faso hat am Wochenende international Entsetzen ausgelöst. Nach Regierungsangaben hatten bewaffnete Angreifer in einem Dorf im Norden des westafrikanischen Landes ein Massaker angerichtet. 138 Bewohner wurden demnach getötet, unter ihnen mehrere Kinder. Es sei der schlimmste Anschlag in dem konfliktgebeutelten Staat seit Jahren, hieß es. Allerdings ereignen sich in der krisengeschüttelten Sahel-Region regelmäßig Überfälle auf die Zivilbevölkerung, oft jedoch mit jeweils geringeren Opferzahlen.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Wie ein Regierungssprecher am Samstag mitteilte, hatten bewaffnete Angreifer in der Nacht zuvor das Dorf Solhan in der Provinz Yagha unweit der Grenze zu Niger überfallen. Sie zündeten mehrere Häuser und den Markt an, überwältigten eine zivile Verteidigungseinheit und töteten wehrlose Bewohner. Anwohner berichteten, sie hätten Dutzende Verletzte in nahe gelegenen Krankenstationen gesehen. Viele Menschen seien in die größere Stadt Sebba geflüchtet. Das Dorf Solhan wurde in der Vergangenheit schon mehrfach überfallen. In der Regierungsmitteilung wurden die Angreifer als Terroristen bezeichnet, doch bis Sonntagmittag hatte sich keine terroristische Organisation zu der Tat bekannt.

          Drei Tage Staatstrauer

          Der Staatspräsident von Burkina Faso, Roch Marc Kaboré, bezeichnete den Angriff als „barbarisch“ und „abscheulich“. Die Menschen in Burkina Faso müssten sich geschlossen und stark gegen die „Mächte des Bösen“ stellen. Die Regierung ordnete eine drei Tage lange Staatstrauer an. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, sagte, er sei entsetzt und verurteile „den abscheulichen Angriff aufs Schärfste“. Er betonte nach Angaben seines Sprechers die „dringende Notwendigkeit für die internationale Gemeinschaft, die Mitgliedstaaten im Kampf gegen gewalttätigen Extremismus stärker zu unterstützen“.

          Burkina Faso, ein Binnenstaat mit 20,5 Millionen Einwohnern, gehört seit 2015 zu den Brennpunkten terroristischer Aktivitäten in der Sahel-Region, zu der außerdem Mali, Niger, Tschad und Mauretanien gehören. Vor allem im Dreiländereck zwischen Niger, Burkina Faso und Mali schlagen Terroristen verstärkt zu. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Sicherheitslage nach Angaben der Vereinten Nationen deutlich verschlechtert, insbesondere im Norden und im Osten.

          3,5 Millionen Menschen benötigten humanitäre Hilfe

          Mehr als eine Million Menschen sei innerhalb des Landes vertrieben worden, mehr als jedes dritte Kind sei bedroht, von einer bewaffneten Gruppe als Kämpfer oder Helfer rekrutiert oder zu Zwangsarbeit verpflichtet zu werden. Etwa 3,5 Millionen Menschen benötigten humanitäre Hilfe. Burkina Faso hat zudem knapp 20.000 Flüchtlinge aus anderen Ländern aufgenommen, die meisten aus Mali. In dem Land sind Terroristen mit Verbindungen zum „Islamischen Staat“ und zu Al-Qaida aktiv. Viele der bewaffneten Gruppen haben Verbindungen zu Extremisten und Banden in den Nachbarländern. Die Regierungschefs der fünf Sahel-Länder haben sich 2014 zu einer Regionalorganisation zusammengeschlossen. Seit 2017 gehört eine gemeinsame Einsatztruppe dazu, die von Frankreich militärisch unterstützt wird.

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          Vor gut drei Wochen hatten der Verteidigungsminister und Offiziere Burkina Fasos die Stadt Sebba besucht und den Menschen zugesichert, dass wieder Normalität in ihr Leben einziehen könne. Doch wie Beobachter aus der Region berichten, kann davon keine Rede sein. Um die Terroristen zu bekämpfen, setzt die Regierung auch auf Söldner und trainiert und bewaffnet zivile Freiwillige. Menschenrechtsorganisationen befürchten jedoch, dass sich die Gewalt verschlimmert, wenn die Bürger das Recht selbst in die Hand nehmen.

          Zusätzlich gebe es Hinweise darauf, dass auch Sicherheitskräfte der Regierung zu den Tätern gehören. Im Juli vergangenen Jahres wurde im Norden des Landes ein Massengrab mit mehr als 180 Leichen gefunden. Nach Angaben der Organisation Human Rights Watch gebe es Hinweise, dass Sicherheitskräfte daran beteiligt waren, die die Gegend in „Schlachtfelder“ verwandelten. Auch Amnesty International hat nach eigenen Angaben grobe Menschenrechtsverletzungen durch Sicherheitskräfte aufgedeckt. Wie in anderen von Terror erschütterten Ländern ist der Bevölkerung oft nicht klar, welche Gruppen für die Überfälle verantwortlich sind.

          Medienberichten zufolge hatte sich nur wenige Stunden vor dem Massaker in Solhan am Freitag ein weiterer Anschlag auf ein anderes Dorf in der gleichen Region ereignet. Es wurden 14 Menschen getötet, einschließlich eines bewaffneten Freiwilligen, der zu Hilfe geeilt war.

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