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Marshallinseln : Aufbäumen gegen den Untergang

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„Ein großes Problem ist, dass immer mehr Salzwasser in unser Grundwasser sickert“, sagt Franky Erra von der lokalen Umweltschutzorganisation MICS. Zusammen mit einem kleinem Team von Wissenschaftlern und Aktivisten hat es sich der 24-Jährige zur Aufgabe gemacht, Menschen auf den abgelegenen Atollen und Inseln über Maßnahmen zu informieren, wie sie ihren Lebensraum zumindest kurz- und mittelfristig besser schützen können.

In den Armenvierteln wird es eng

„Da geht es vor allem um die Erhaltung der Küstenvegetation, um eine allzu schnelle Erosion zu verhindern“, erklärt er. Die Menschen seien dankbar über jeden Tipp, trotzdem verlassen immer mehr von ihnen ihre Heimat. Manche Atolle sind bereits so gut wie entvölkert, während es in den Armenvierteln der Hauptstadt immer enger wird. Arbeitslosigkeit und Alkoholismus sind dort große Probleme.

Wellen treffen auf ein Restaurant an der Küste von Majuro während eines Tropensturms im Juli 2015.

„Wir dürfen nicht aufgeben und müssen optimistisch bleiben“, sagt David Paul, neuer Umweltminister der kleinen Republik. Man werde sich aufbäumen, denn „wenn wir untergehen, dann nur kämpfend“. Mehr denn je gehe es jetzt darum, bei internationalen Konferenzen „lautstark und energisch“ aufzutreten. Dass die 2015 in Paris erklärten Ziele, an deren Beschluss nicht zuletzt auch der inzwischen verstorbene marshallesische Außenminister Tony deBrum erheblichen Anteil hatte, für die unterzeichnenden Staaten nicht bindend seien, kritisiert Paul scharf. Die Tatsache, dass der pazifische Nachbar Fidschi offiziell Ausrichter der in dieser Woche beginnenden Klimakonferenz in Bonn ist, sei dagegen „ein gutes Zeichen“.

„Wieder sind wir die Leidtragenden“

Angesprochen auf die Politik der Vereinigten Staaten unter Präsident Trump, verdüstert sich die Miene des sonst so freundlich auftretenden Ministers. Trumps Entscheidung, aus dem Pariser Abkommen auszutreten, sei „töricht und beklagenswert“, ebenso das Bekenntnis der Regierung in Washington zur Kohleenergie. Auch in der marshallesischen Bevölkerung fühlen sich viele von den Amerikanern betrogen. In einer etwas heruntergekommenen Bar in der Nähe des Hafens beschwert sich ein Mann am Tresen lautstark über den „Idioten“ Trump und erntet zustimmendes Nicken der Mittrinker, bevor er ermahnt wird, seine Kritik doch bitte etwas höflicher zu formulieren.

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Das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten ist kulturell sehr eng, aber historisch schwer belastet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Marshallinseln, die erst seit 1990 formal unabhängig sind, Teil des amerikanischen Treuhandgebiets im Pazifik. Anstatt die Rolle als Schutzmacht für die dortige Bevölkerung anzunehmen, nutzte Washington die abgelegenen Inseln für Atombombentests. Viele Einwohner wurden vertrieben, die Natur verstrahlt. Noch immer ist die Gegend um das Bikini-Atoll unbewohnbar. Umweltminister Paul sieht Parallelen zum Klimawandel: „Wieder sind wir, obwohl wir in keiner Weise verantwortlich für irgendetwas sind, die Leidtragenden von Entwicklungen, die große Staaten und Supermächte zu verantworten haben.“

Massenexodus nach Amerika

Gleichzeitig bleiben die Vereinigten Staaten für viele Marshallesen das gelobte Land. Zehntausende sind bereits ausgewandert, nach Hawaii, vor allem aber nach Arkansas und Indiana, wo es bereits große marshalllesische Communities gibt. „Ich würde nicht sagen, dass der Klimawandel der einzige Grund für den Massenexodus ist, aber mit Sicherheit einer der Hauptgründe“, sagt Forscher Mucadam. Ein Visum oder eine Arbeitserlaubnis brauchen die marshallesischen Migranten nicht. Das Assoziierungsabkommen mit Washington, das auch die fortwährende Nutzung der amerikanischen Militärbasen auf den Atollen sichert, gewährt ihnen freie Einreise.

Auch die Kinder der eingangs erwähnten Skinner Elbon haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt und arbeiten inzwischen auf einem Hühnerschlachthof in den Vereinigten Staaten. „Ich vermisse sie sehr, aber ich kann verstehen, dass sie gegangen sind“, sagt die ältere Dame und blickt noch einmal in Richtung Ozean. Noch hält ihre neue Flutmauer.

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