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Marine Le Pen führt „Front“ National“ : Eine Familie im Zeichen der Fackel

Marine Le Pen übenimmt von ihrem Vater Jean-Marie die Führung der Front National Bild: REUTERS

In den vielen Jahren, in denen Jean-Marie Le Pen an der Spitze des Front National stand, hat er die extreme Rechte in Frankreich geeint. Jetzt hat er den Vorsitz der „Front National“ abgegeben - an seine 42 Jahre alte Tochter Marine.

          „Patrioten aller Länder, vereinigt euch!“, rief Jean-Marie Le Pen den rund 2000 Mitgliedern seines Front National zu, die ins Kongresszentrum nach Tours gekommen waren. Und die unterbrachen die Abschiedsrede ihres Vorsitzenden in grauem Anzug mit Einstecktuch, Front-National-Anstecknadel - Trikolore in Flammenform - und markanter Brille mit Beifall und Jubel. Es war ein mal wütender, mal rührseliger und stets persönlicher Rückblick auf den von ihm und den Seinen „zurückgelegten Weg“, wie Le Pen sagte.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          An diesem Wochenende gab der auch mit 82 Jahren noch hünenhafte Bretone das Amt des Vorsitzenden der rechtsextremen Partei ab. Doch bleibt sein Front National, den er 1972 gegründet hatte, fest in den Händen seiner Familie: Marine Le Pen, die jüngste der drei Töchter des Patriarchen, wird die Geschicke der Partei künftig lenken - sie konnte sich in der Kür des neuen Vorsitzenden, bei der es erstmals in der Geschichte der Partei eine Wahl zwischen zwei Kandidaten gab, gegen Bruno Gollnisch durchsetzen.

          Auf dem Weg, den Le Pen zurücklegte, kandidierte er fünfmal für die französische Präsidentschaft, bezeichnete mehrfach die Gaskammern der Konzentrationslager als „Detail“ der Geschichte, wurde mehrfach verurteilt, schimpfte mal auf jüdische Journalisten, mal auf dunkelhäutige Spieler in der Fußballnationalmannschaft, prägte die französische Politik über fünf Jahrzehnte, und das mitunter in einem Maße, dass einige, allen voran Le Pen selbst, gar von deren „Lepenisierung“ gesprochen haben.

          In Siegerpose: Marine Le Pen

          „Ungläubiges Frankreich“

          In seiner rund einstündigen Abschiedsrede griff Le Pen am Samstag noch einmal seine Paradethemen auf. Bildung? Früher habe man den Kindern beigebracht, Frankreich zu lieben und die Nation im Bedarfsfall mit seinem Leben zu verteidigen, sagte Le Pen. Heute würden im Fernsehen ständig Sendungen darüber gezeigt, wie Franzosen die Deportationen in die Todeslager ermöglicht hätten. Wirtschaft? Als er jung war, sei die Landwirtschaft stark gewesen und der Staat habe es ermöglicht, technologische Schmuckstücke wie die Concorde zu schaffen. Jetzt seien kaum mehr als drei Prozent der Arbeiter in Frankreich noch Bauern und der Staat sei überschuldet.

          Religion? Früher seien die Kirchen sonntags voll gewesen und die Priester hätten die „Fackel unseres geistigen und geschichtlichen Erbes“ weitergegeben. Doch „40 Jahre Schwachheit“ hätten „gereicht, um das christliche und laizistische Frankreich in ein ungläubiges Frankreich zu verwandeln, das auf dem Weg zur Islamisierung ist“.

          Besonders emotional wurde Le Pen, als er mit heiserer Stimme Episoden aus seiner eigenen Geschichte schilderte. Etwa, wie er 1942 gemeinsam mit seiner Mutter einen an den Strand gespülten Leichnam als den seines Vaters identifizieren musste - der war mit seinem Fischerboot auf eine Mine gefahren. An einer Tätowierung am Arm hätten sie ihn erkannt, erinnerte sich der Sohn. Le Pen zog nach dem Krieg aus der Bretagne nach Paris, studierte Jura und Politik.

          „Unsere Ehre war die der Kämpfer“

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