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Marine Le Pen : Die lachende Dritte

„Nichts wird mehr sein wie zuvor“: Marine Le Pen lässt sich am Sonntagabend feiern Bild: dpa

Marine Le Pen zieht zwar nicht in die Stichwahl ein. Trotzdem fängt für die Vorsitzende des Front National nach ihrem guten Ergebnis bei der ersten Runde der Präsidentenwahl die „Schlacht um Frankreich“ erst an. Ein Besuch bei der Wahlparty der Rechtspopulisten.

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          Bienvenue bei Marine Le Pen! Die Personenschützer am Eingang des Salle Equinoxe sind von ausgesuchter Höflichkeit. Mit den bulligen, kahlgeschorenen Bodyguards, die vor zehn Jahren die Wahlfeier von Jean-Marie Le Pen überwachten, haben sie nichts gemein. Freundlich lächelnde Hostessen im adretten dunklen Kostüm, Hermes-Tüchlein um den Hals, geleiten die Gäste in den Saal. Kinder mit Trikolore-Stempel auf der Wange spielen zwischen Reihen plaudernder Erwachsener Fangen. Junge Frauen in eleganten dunklen Kleidern nippen kichernd an ihren Champagnergläsern. In dunkle Anzüge gekleidete Männer stehen in separaten Grüppchen, an ihrem Revers blinken Buttons im Blau-Weiß-Rot der französischen Nationalfarben. Wer genau hinschaut, kann darauf das Bekenntnis lesen: „J’aime Marine“, „Ich liebe Marine“.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auf den wenigen, plüschbezogenen Klappstühlen sitzen, in angeregte Unterhaltungen vertieft, eine Handvoll weißhaariger Leute. Doch die meisten Gäste sind unter 50. Vor dem Getränkestand stehen sie Schlange, die Kellner stöhnen, dass sie keine Champagnergläser mehr haben. Wie bei einer vergnügten Hochzeitsgesellschaft geht es am Wahlabend bei Marine Le Pen im über 1000 Personen fassenden Mehrzwecksaal Equinoxe im 15. Arrondissement von Paris zu. Die Wähler der Vorsitzenden des rechtspopulistischen Front National sind nicht nur salonfähig geworden. Ihr Selbstbewusstsein ist erstarkt, sie wollen nicht länger als Protestwähler vom politischen Geschäft ausgeschlossen bleiben.

          „Die Schlacht um Frankreich fängt jetzt erst an“

          „Liebe Freunde!“, ruft ihnen Marine Le Pen entgegen, als sich der Jubel ein wenig gelegt hat. „Wir stehen am Beginn einer großen Sammlungsbewegung der Patrioten von rechts wie von links.“ Sie trägt eine weiße Bluse zur schwarzen Kostümjacke, sie sieht irgendwie staatstragend aus hinter dem Rednerpult, 43 Jahre ist sie alt und hat schon das Rekordergebnis ihres Vaters aus dem Jahr 2002 überrundet. Mehr als 6,4 Millionen Wähler haben für sie gestimmt. Das entspricht 17,9 Prozent der abgegebenen Stimmen, Vater Le Pen war seinerzeit mit einem schlechteren Ergebnis, mit 16,86 Prozent, in die Stichwahl eingezogen. Marine Le Pen bleibt das verwehrt, aber ihre Wähler werden den Ausgang der Präsidentenwahlen bestimmen. „Was auch immer in den nächsten zwei Wochen passiert, die Schlacht um Frankreich fängt erst an. Nichts wird mehr wie zuvor sein“, sagt sie. Ihre Anhänger jubeln, sie schwenken Trikolore-Fahnen und brüllen „Marine, Marine“. Dann singen sie inbrünstig die Marseillaise, „Allons enfants de la patrie“.

          Auf der riesigen Leinwand mit sechs kleinen und einem großen Bildschirm erscheinen die Wahlsendungen. Im Saal wird es still, als der Lebensgefährte Marine Le Pens, Louis Aliot aus dem FN-Parteivorstand, das Wahlergebnis kommentiert. „Die französische Demokratie muss sich daran messen lassen, ob sie dem Front National erlaubt, ins Parlament einzuziehen“, sagt der 42 Jahre alte Anwalt im Dialekt seiner südwestlichen Heimat. Das französische Mehrheitswahlrecht hat bislang verhindert, dass die Partei vom rechten Rand in der Nationalversammlung vertreten wurde. Aber die neue Führung um Marine Le Pen strebt an die Macht, sie will nicht länger in einer Kommentatorenrolle verharren.

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