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Aufstand gegen Waffengewalt : Die amerikanische Revolution

  • -Aktualisiert am

Mit geballter Faust: Emma Gonzalez und weitere Schülerinnen und Schüler beim „March for Our Lives“ in Washington. Bild: AFP

„Genug ist genug!“: Hunderttausende protestieren beim „March for our Lives“ auf beeindruckende Weise für schärfere Waffengesetze. Auf der ganzen Welt solidarisieren sich die Menschen. Doch die Waffenlobby winkt ab – und der Präsident flüchtet.

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          „Ich bin hier, weil die Verhältnisse verrückt sind. Das ist schon lange so, aber wir können es ändern,“ sagte Alexandra aus Wisconsin, die zu Besuch in New York war und am Samstag für schärfere Waffengesetze auf die Straße ging. „Genug ist genug“, stand auf ihrem gelben Schild – und Tausende Demonstranten riefen es in New York, in Los Angeles, in Parkland und in Charlottesville. Menschen in über 800 Städten in Amerika und auf der ganzen Welt waren dabei. „Wählt sie ab,“ stand auf Transparenten, die aus Wohnhäusern an der Prachtstraße Central Park West in Manhattan hingen, „Wählt sie ab“, antworteten die Menschen von unten.

          In Washington stand die achtzehnjährige Emma Gonzalez vor hunderttausenden von Menschen und nannte die Namen der Schüler und Erwachsenen, die bei dem Massaker an der Stoneman Douglas High School in Parkland getötet worden waren. Dann schwieg sie, mehr als vier Minuten. Tränen liefen Gonzalez über das Gesicht, aber sie hielt die Minuten durch, auch, als einige Zuschauer unruhig wurden und Sprechchöre anstimmten. Schließlich ging ihr Alarm an und sie sagte: „Kämpft für euer Leben, bevor es andere für euch tun müssen!“ Nach 6 Minuten und 20 Sekunden verließ Gonzalez die Bühne – so lange soll Nikolas Cruz in der Schule um sich geschossen haben.

          „Stellt Euch hinter uns oder seid wachsam“

          „An die Führer, Skeptiker und Zyniker, die uns gesagt haben, dass wir uns wieder setzen sollen, ruhig bleiben und abwarten sollen, bis wir dran sind: Willkommen zur Revolution!“ rief Gonzalez‘ Mitstreiter Cameron Kasky den Demonstranten zu. „Entweder vertretet Ihr die Menschen oder Ihr geht. Stellt Euch hinter uns oder seid wachsam, die Wähler kommen.“ Eine andere Schülerin, Samantha Fuentes, las ein Gedicht vor. Der jungen Frau wurde bei dem Attentat in Parkland in beide Beine geschossen. Beim Lesen verlor sie kurz die Fassung und kauerte einen Moment lang hinter der Bühne. „Ich musste mich gerade während einer weltweiten TV-Übertragung übergeben, und es fühlt sich gut an“, sagte Fuentes und las das Gedicht zuende.

          Mehrere hundert Schülerinnen und Schüler von der Stoneman Douglas High School in Parkland waren nach Washington gekommen – sie trafen sich hier auch mit Politikern, um weiter für ihr Anliegen zu kämpfen. Die Vorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, traf sich mit einigen von ihnen, ebenso der ehemalige Vizepräsident Joe Biden. Viele der Schüler sprachen am Rande des Marsches mit Journalisten. Sie wissen, was sie in Gang gesetzt haben – und wie unbequem sie für viele Politiker sind, insbesondere für die Republikaner mit ihren starken Verbindungen zur Waffenlobby. „Die denken definitiv, wir werden schon wieder verschwinden,“ zitierte die „New York Times“ den 17-jährigen Jose Iglesias. „Aber wir wissen was wir tun, wir haben eine Strategie. Sie denken, wir sind nur Kinder.“

          Hunderttausende gingen für den Protest auf die Straße Bilderstrecke

          „Kinder vor Waffen“, „Ich sollte nicht hier sein müssen“, „Beendet die Gewalt jetzt“ – die Demonstranten in New York marschierten mit bunten Transparenten von der 86. Straße auf der Westseite von Manhattan bis zum Columbus Circle an der 59. Straße. So voll war es, dass der Eingang zum Marsch mehrfach nach Norden verlegt wurde – und für die dann knapp dreißig Blocks brauchten viele Menschen an diesem sonnigen Frühlingstag Stunden.

          Politischere Botschaften gab es auch: „Wir sind die Wähler von Morgen“ rief eine Schülergruppe immer wieder. „Polizeigewalt und Waffengewalt sind zwei Seiten derselben Medaille“, stand auf einem Plakat, „Mein Uterus ist schärfer reguliert als Deine Waffen“ auf einem anderen. Paul McCartney wurde in der Masse gesichtet, „einer meiner besten Freunde“ sei einst hier in der Ecke erschossen worden, nicht weit von wo er stehe, sagte er in die Kameras.

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