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Marbella : Auf dem Klo ein Miró

  • -Aktualisiert am

Auch festgenommen: Bürgermeisterin Marisol Yagüe Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Es steht nicht gut um das südspanische Ferienparadies Marbella. Korrupte Politiker und „Bau-Paten“, die dort Reichtümer anhäuften, sitzen im Gefängnis, die Stadtverwaltung ist aufgelöst. Aus Spanien berichtet Leo Wieland.

          6 Min.

          Hinter den duftenden Orangenblüten vor dem Rathaus von Marbella stank die Korruption schon seit langem zum Himmel. Aber nicht jeder konnte sie riechen. Nicht einmal das spanische Finanzamt, das zuletzt vor drei Jahren die Konten des mutmaßlichen Hauptdrahtziehers in dieser Geschichte überprüft hatte. Der an dieser „goldenen Meile“ der Sonnenküste ansässige Schriftsteller Felix Bayon brauchte indes nur die Nase in die Brise zu halten, und schon war ein Kriminalroman mit allen einschlägigen Zutaten fertig: Immobilienspekulation, Geldwäsche, Strohmänner, Vorteilsannahme, politische Protektion.

          Daß sein im Winter veröffentlichtes Buch „De un mal golpe“ (Ein böser Schlag aus Versehen) aber im Frühling von der Wirklichkeit so drastisch übertroffen würde, konnte auch er nicht ahnen. Doch nun ist es soweit: Zusammen mit der Bürgermeisterin Marisol Yagüe, ihrer Stellvertreterin Isabel Garcia Marcos und dem „Gehirn“ des Komplotts, dem Städtebauberater Juan Antonio Roca, sitzen inzwischen zwei Dutzend Verdächtige, Stadträte inbegriffen, in Haft. Nur der Polizeichef wurde gegen eine Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt.

          „Operation Malaya“

          Es geht um vorsichtig geschätzte 2,4 Milliarden Euro, die der dem Rathaus als außenstehender Fachmann dienende Roca mit „Kommissionen“ für Baugeschäfte erworben und mit Hilfe von Scheinfirmen in ein internationales Kanalsystem von Bankkonten zwischen Singapur und Santo Domingo geleitet haben soll. Wenn die Summe stimmt, dann wäre der arbeitslose Bergbaufachmann, der vor fünfzehn Jahren in einem Fiat Panda nach Marbella gerollt war und zuletzt ein Jahreseinkommen von hundertfünfzigtausend Euro deklarierte, binnen dieser Frist zum viertreichsten Mann Spaniens geworden.

          Bild: F.A.Z.

          Die „Operation Malaya“ - nur ein Buchstabe des Namens der Provinz Malaga, zu der Marbella gehört, wurde vertauscht - begann am Vormittag des 29. März. Die Bürgermeisterin war noch im Pyjama, als die Polizei sie in ihrer Villa besuchte, für die sie angeblich allein an Umbauarbeiten noch rund eine Million Euro schuldet. Ihre Stellvertreterin wurde auf dem Flughafen verhaftet, als sie gerade von der Hochzeitsreise aus Moskau zurückkehrte. In ihrer Villa fanden die Beamten in einer Mülltüte 360.000 Euro in bar. Doch das war bestenfalls ein Trinkgeld gegenüber den angehäuften Vermögenswerten, die bei Roca beschlagnahmt wurden.

          „Das Rathaus bin ich“

          Der selbstbewußte Impresario, von dem in Marbella die Aussage „Das Rathaus bin ich“ überliefert ist, hatte nicht nur einen Miró auf dem Klo hängen, sondern besaß, über ganz Andalusien verteilt, mehr Paläste und Landsitze als die Herzogin von Alba. Und sie, nicht König Juan Carlos, muß hier für den Spitzenvergleich herangezogen werden. Er hatte auch Hotels und Golfplätze, eine Stierzucht und Ställe voller Vollblutpferde sowie opulente Fincas mit Kapellen und Waffenkammern. Hinzu kamen etwa fünfhundert Häuser und Wohnungen als eine Art Altersversicherung.

          Im Geschmack hatte sich Roca zumindest zum Teil den örtlichen Neureichen angepaßt. So stießen die Fahnder unter anderem auf ein Gruselkabinett des „Großwildjägers“ mit ausgestopften Elefanten, Krokodilen und Polarbären. Und dann war da noch ein lebender Tiger in einem Käfig im Garten der „Villa Barmherzigkeit“. Roca (der Fels), den die Fahnder in Anlehnung an Rocky Marciano unter dem Kodenamen „der Boxer“ führten, soll nach seiner Festnahme sogleich einen Handel mit Listen aller Bestechlichen angeboten haben. Aber die Justiz lehnte ab, wohl weil sie schon genug Beweise hatte.

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