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Messerattacken : Terrorverdacht nach Angriffen in Brüssel und London

  • Aktualisiert am

Großeinsatz in der Brüsseler Innenstadt: Polizisten patrouillieren in der Straße, in der ein Mann zwei Soldaten mit einem Messer verletzt hat. Bild: dpa

Mit „Allahu-akbar“-Rufen und einem Messer geht ein Mann mitten in Brüssel auf eine Militärpatrouille los. Auch in London kommt es zu einem Zwischenfall: Ein Mann wird festgenommen. Er hatte ein 1,20 Meter langes Schwert im Wagen.

          Nach einem Messerangriff auf Soldaten im Zentrum von Brüssel gehen die Ermittler von einem Terrorakt aus. Der am Freitagabend erschossene Angreifer habe neben der Stichwaffe auch die Attrappe einer Feuerwaffe und zwei Ausgaben des Koran bei sich gehabt, teilte die Staatsanwaltschaft am Samstag mit. Der 1987 geborene Belgier somalischer Abstammung habe „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen, als er drei Angehörige einer Militärpatrouille von hinten attackiert habe.

          „Die Ereignisse wurden als versuchter terroristischer Mord eingestuft“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Ein auf Terrorismus spezialisierter Ermittlungsrichter habe den Fall übernommen. In der Nacht sei die Wohnung des mutmaßlichen Attentäters in Brügge durchsucht worden. Er war nach offiziellen Angaben vorher nicht wegen terroristischer Aktivitäten bekannt, aber im Februar wegen einer unpolitischen Gewalttat aufgefallen.

          Belgien ist eine islamistische Hochburg

          Belgien gilt als Hochburg islamistischer Extremisten und ist immer wieder Ziel von Terroranschlägen. Im März 2016 rissen Selbstmordattentäter in der Brüsseler U-Bahn und am Flughafen 32 Menschen mit in den Tod. Im August vor einem Jahr attackierte ein Mann in Charleroi zwei Polizistinnen mit einer Machete. Zu der Tat damals bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat. Noch immer gilt in Belgien die zweithöchste Terrorwarnstufe. Auf öffentlichen Plätzen und in der U-Bahn patrouilliert regelmäßig Militär.

          Am Freitagabend ging der Angreifer nach offiziellen Angaben gegen 20.22 Uhr auf dem Boulevard Emile Jacqmain in der Brüsseler Innenstadt auf drei Soldaten los. Zwei von diesen wurden leicht verletzt. Einer der Soldaten eröffnete das Feuer auf den Angreifer und traf ihn zwei Mal, wie es weiter hieß. Der Mann starb später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Er lebte seit 2004 in Belgien und erhielt 2015 die Staatsangehörigkeit. Weitere Einzelheiten wollen die Ermittler aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

          Ein Soldat und zwei Polizeibeamte sehen nach dem Mann, der am Freitagabend in Brüssel zwei Soldaten angriff und danach niedergeschossen wurde.

          Ministerpräsident Charles Michel meldete sich über Twitter zu Wort und bekundete seine Unterstützung für das belgische Militär. Die Sicherheitskräfte blieben wachsam, schrieb er. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft leitete wegen des Schusswaffengebrauchs der Soldaten routinemäßig ein Ermittlungsverfahren ein. Nach ersten Erkenntnissen habe es sich um Notwehr gehandelt, teilte die Behörde am Samstag mit. Die Leiche des mutmaßlichen Attentäters werde obduziert.

          Zwischenfall vor dem Buckingham Palast

          Auch in London hat es vor dem Buckingham Palast einen Zwischenfall gegeben, der inzwischen als Terrorismus eingestuft wird. Das teilte Scotland Yard am Samstag mit. Demnach hat eine Anti-Terror-Einheit die Ermittlungen gegen einen 26 Jahre alten Mann aus der nördlich von London gelegenen Stadt Luton aufgenommen.

          Der Mann hatte am Freitagabend gegen 20.30 Uhr (Ortszeit) seinen Wagen direkt vor einem Polizeifahrzeug am zentralen Kreisverkehr vor dem Buckingham-Palast gestoppt, wie es weiter hieß. Als die drei unbewaffneten Polizisten auf ihn zugegangen seien, habe er versucht, an ein rund 1,20 Meter langes Schwert in seinem Fahrzeug zu gelangen. Er habe mehrfach „Allahu Akbar“ gerufen. Der Mann sei schließlich mit Tränengas-Spray außer Gefecht gesetzt worden. Zwei der drei Polizisten hätten während des kurzen Handgemenges Schnittverletzungen erlitten. Sie seien im Krankenhaus behandelt worden.

          Der Leiter der Einheit, Dean Haydon, geht von einem Einzeltäter aus. „Wir glauben, dass der Mann allein gehandelt hat, und wir schauen derzeit nicht nach anderen Verdächtigen“, so der Ermittler. Er wies darauf hin, dass die Terrorgefahr in Großbritannien hoch bleibe.

          Queen Elizabeth II. war während des Vorfalls nicht in London, sondern auf ihrer Sommerresidenz Schloss Balmoral in Schottland. Auf Fotos in sozialen Netzwerken war starke Polizeipräsenz vor dem Buckingham-Palast zu sehen.

          Tatort Buckingham Palast: Polizisten haben das Gebiet weiträumig abgesperrt.

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