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Nach Manchester-Anschlag : Noch 20 Menschen in Lebensgefahr

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Arbeiten gegen die Zeit: Unermüdlich sind Rettungskräfte nach dem Anschlag im Einsatz Bild: dpa

Die als „kritisch“ eingestufte Sicherheitslage in Manchester signalisiert, dass noch weitere Anschläge bevorstehen könnten. Der Gesundheitsbehörde Manchester zufolge schweben derzeit noch 20 Menschen in Lebensgefahr.

          Die gesundheitliche Versorgung der Anschlagsopfer aus Manchester läuft auf Hochtouren. Dem Chef der Gesundheitsbehörde Manchester Jon Rouse zufolge schweben noch 20 Schwerverletzte in Lebensgefahr. „Wir behandeln noch 64 Verletzte, rund 20 von ihnen sind in kritischem Zustand,“ so Rouse.

          In einer kurzen Pressekonferenz hatte die britische Premierministerin Theresa May zuvor mitgeteilt, dass die Sicherheitsstufe in ihrem Land von „ernst“ auf „kritisch“ hochgestuft werde. Das bedeute, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte.

          Die Regierung halte es ausdrücklich für denkbar, dass der Attentäter von Manchester nicht allein handelte. Es sei möglich, dass eine größere Gruppe von Personen für den Bombenanschlag verantwortlich sei, sagte die Premierministerin nach einer weiteren Sitzung des Sicherheitskabinetts in London. Das Militär werde die bewaffnete Polizei unterstützen, wie May weiter sagte.

          Frage, ob Attentäter Teil eines Netzwerks war

          In den Stunden zuvor hatte die britische Polizei den Namen des mutmaßlichen Attentäter von Manchester mitgeteilt. Demnach handelte es sich um den 22 Jahre alten Salman Abedi. Er wolle aber zunächst keine weiteren Angaben machen, sagte der Polizeipräsident von Manchester, Ian Hopkins, am Dienstagabend. Priorität habe weiter die Frage, „ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks war“, fügte Hopkins hinzu.

          Allerdings erklärten zwei nicht näher genannte amerikanische Regierungsvertreter mit Kontakt zu den britischen Behörden, der 22-Jährige sei vermutlich von London mit dem Zug nach Manchester gekommen. Seine Eltern, die laut der Zeitung „Telegraph“ noch zwei Söhne und eine Tochter haben sollen, seien 1994 aus Libyen nach London ausgewandert. Seit mindestens zehn Jahren lebten sie im Süden Manchesters.

          Bei dem Selbstmordanschlag nach einem Popkonzert in Manchester sind einschließlich des Täters 23 Menschen getötet worden. Dutzende Menschen wurden verletzt, als die Bombe im Foyer der Manchester Arena explodierte. Die Polizei spricht seit Dienstagmorgen von einem Terrorakt.

          Der Attentäter wollte nach Angaben von Premierministerin Theresa May „das größtmögliche Blutbad“ anrichten. In ihrer Stellungnahme nach dem Anschlag sagte May am Dienstag in London, der Angreifer habe mit „kaltem Kalkül“ gehandelt und auf Kinder gezielt. „Es gibt jetzt keinen Zweifel daran, dass die Bevölkerung Manchesters und dieses Landes Opfer eines eiskalten terroristischen Angriffs geworden ist“, sagte May nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts.

          IS bekennt sich

          Laut dem Propagandaportal Amaq hat die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) den Anschlag für sich reklamiert. Ein „Soldat“ des IS habe die Bombe plaziert, meldete Amaq am Dienstagmittag. In der Erklärung wird mit weiteren Anschlägen gedroht. Zuvor hatten IS-Anhänger das Attentat bereits im Internet gefeiert.

          Eine Frau kommt mit Blumen an den Ort des Anschlags in Manchester Bilderstrecke

          Das Attentat ist der folgenschwerste Angriff in Großbritannien seit Juli 2005. Damals töteten vier Selbstmordattentäter in der Londoner U-Bahn 52 Menschen. Die Polizei von Manchester rief die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf.

          In der betroffenen Multifunktionshalle, die etwa 21.000 Menschen Platz bietet, hatte die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Ariana Grande ein Konzert gegeben. Die Explosion ereignete sich nach Angaben der Polizei kurz nach dem letzten Song gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 MESZ) im Foyer, das die Konzerthalle mit der Metro-Station Manchester-Victoria verbindet, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt am nördlichen Rand des Stadtzentrums. Kurz darauf brach Panik aus.

          Das Publikum bestand überwiegend aus Jugendlichen. Viele von ihnen brachten sich nach der Explosion in Hotels in der Umgebung in Sicherheit. Privatpersonen halfen den verstörten Konzertbesuchern. Anwohner boten Schlafplätze und Taxifahrer kostenlose Mitfahrgelegenheiten an. Eltern suchten mit Fotos in den sozialen Netzwerken verzweifelt nach ihren Kindern.

          May drückte den Angehörigen der Anschlagsopfer ihr Mitgefühl aus. „Wir sind daran, alle Einzelheiten dessen, was von der Polizei als entsetzlicher Terroranschlag behandelt wird, herauszuarbeiten“, sagte sie am Dienstagmorgen. Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn gab bekannt, dass wegen der Vorfälle in Manchester der gesamte Wahlkampf für die Parlamentswahl im Juni bis auf weiteres ausgesetzt werde. Darauf habe er sich mit May verständigt, teilte der Oppositionsführer mit. Der Chef der Liberaldemokraten, Tim Farron, sagte einen Wahlkampfauftritt in Gibraltar ab, die Schottische Nationalpartei SNP verschob die für Dienstag geplante Vorstellung ihres Wahlprogramms.

          Popstar Ariana Grande äußerte sich nach dem Vorfall entsetzt. „Aus tiefstem Herzen, ich bin so so traurig. Ich habe keine Worte“, schrieb die Sängerin bei Twitter.

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