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Mali : Tuareg-Rebellen rufen unabhängigen Staat aus

  • Aktualisiert am

Die Tuareg-Rebellen haben den Norden Malis einseitig für unabhängig erklärt Bild: AFP

Tuareg-Rebellen in Mali haben den Norden des westafrikanischen Landes zu einem eigenen Staat Azawad ausgerufen. Weder die ehemalige Kolonialmacht Frankreich noch die afrikanischen und arabischen Nachbarländer wollen ihn anerkennen.

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          Nach ihren militärischen Erfolgen im Norden Malis haben Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet am Freitag für unabhängig erklärt. Der neue Staat soll Azawad heißen. Das bedeutete in der Sprache der Tuareg „Land der Nomaden“. Allerdings wollen weder die ehemalige Kolonialmacht Frankreich noch die afrikanischen und arabischen Nachbarländer das abgetrennte Gebiet als 55. Staat Afrikas anerkennen.

          Der Westen befürchtet, der Norden Malis könnte sich in eine neue Bastion des Terrornetzwerkes Al-Kaida verwandeln. Die bestehenden Grenzen zu den umliegenden Staaten würden anerkannt und sie blieben unverletzlich, teilte die MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) in der Nacht zum Freitag auf ihrer Internetseite mit. Das Exekutivkomitee der Bewegung bitte die Internationale Gemeinschaft, ihren Staat unverzüglich anzuerkennen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich kritisierte die Ankündigung: „Eine unilaterale Unabhängigkeitserklärung, die nicht von den afrikanischen Staaten anerkannt wurde, macht keinen Sinn“, sagte Verteidigungsminister Gerard Longuet in Paris.

          Frankreich: Autonomie der Region „ungültig“

          Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, die Autonomie der Region sei „ungültig“. Die Tuareg nennen das Gebiet, das sie für sich beanspruchen, Azawad. Es nimmt etwa die Hälfte Malis ein und reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger, der außerhalb von Timbuktu verläuft. Durch die Eroberung der Städte Gao, Kidal und Timbuktu hatten sich die Rebellen zuletzt alle strategisch wichtigen Orte der Region gesichert. Sollte Azawad tatsächlich als unabhängig anerkannt werden, dann wäre damit der 55. Staat auf dem afrikanischen Kontinent geboren. Im vergangenen Jahr war Südsudan der 54. Staat geworden.

          Mali

          Der UN-Sicherheitsrat hatte am Mittwoch in New York eine Erklärung verabschiedet, in der die Angriffe der Rebellen im Norden Malis scharf verurteilt und ein Ende der Gewalt gefordert wurde. Mit Hilfe von islamistischen Gruppen hatte die MNLA am vergangenen Wochenende die historische Stadt Timbuktu eingenommen, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Timbuktu beherbergt in 60 privaten Bibliotheken die größte Handschriftensammlung Westafrikas. Nun herrscht große Sorge um die Zukunft dieser kulturellen Schätze. Meuternde Soldaten hatten sich am 22. März in der Hauptstadt Bamako an die Macht geputscht und Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt. Die Armee, die seit Januar im Norden gegen die Tuareg gekämpft hatte, zog sich nach dem Umsturz weitgehend zurück. Damit war der Weg für die Rebellen frei und sie rückten schnell in die wichtigsten Städte ein.

          Seither kam es immer wieder zu Plünderungen. Unter anderem wurden Hilfsgüter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) aus Lagerhallen gestohlen. Die Organisation habe ihre Präsenz in Nord-Mali deutlich reduzieren müssen, hieß es in einer Mitteilung. „Die Menschen waren sowieso schon hart von der Ernährungskrise betroffen, unter der die gesamte Sahel leidet. Jetzt haben sie keine Nahrungshilfe mehr und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung“, sagte der IKRK-Direktor für Nord- und Westafrika, Boris Michel. Unterdessen teilte das algerische Außenministerium mit, der Konsul des nordafrikanischen Landes sowie sechs seiner Mitarbeiter seien in der Stadt Gao von Unbekannten entführt worden.

          Die algerische Regierung strebe mit aller Macht ihre Befreiung an, sagte Außenminister Mourad Medelci. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy bezeichnete die Absetzung Tourés bei einer Pressekonferenz als „Skandal“. Die Aufständischen forderte er auf, unverzüglich zur verfassungskonformen Ordnung zurückzukehren. Frankreich erwäge aber keine militärischen Aktivitäten.

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