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Mali : Paris weitet Luftangriffe auf Islamisten aus

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In N’Djamena im Tschad bereiten Soldaten den Einsatz eines französischen Mirage-Kampfjets vor Bild: REUTERS

Das französische Militär setzt seine Luftschläge gegen islamistische Rebellen in Mali fort. Präsident Hollande erklärt, im Kampf gegen den Terrorismus seien dem Feind schon „schwere Verluste“ zugefügt worden.

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          Die französische Luftwaffe hat am Sonntag mit Hubschraubern und Flugzeugen Stellungen islamistischer Terroristen in Mali angegriffen. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian kündigte an, dass die Luftschläge „in der Nacht und am Tag“ fortgesetzt würden. Aus Tschad und der Elfenbeinküste trafen am Sonntag weitere französische Soldaten in der malischen Hauptstadt Bamako ein. Weitere Kampfflugzeuge des Typs Rafale sollen zu Wochenbeginn aus Frankreich an den Kriegsschauplatz verlegt werden.

          Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière lobte das Vorgehen der französischen Armee als „Konsequent und richtig“. Frankreich habe die „volle politische Unterstützung“ der Bundesregierung, versicherte de Maizière im Gespräch mit der F.A.Z.. Der geplante Einsatz eines „kleinen Kontingents deutscher Ausbilder“ für die malische Armee sei durch die französische Aktion nicht hinfällig geworden; vielmehr liefen die Vorbereitungen der Europäischen Union dazu im Zeitplan. Allerdings verlangte de Maizière vor einem Bundeswehr-Einsatz „politische Klarheit darüber, wer das Land führt“. „Putschisten dürfen nicht das letzte Wort haben“, sagte de Maizière, der deutlich machte, dass es in Mali an zuverlässigen Partnern fehle. Zeitpläne seien für eine Ausbildungsmission noch nicht abgestimmt, sagte der Minister.

          Das französische Verteidigungsministerium hält genaue Zahlen über die Truppenstärke unter Verschluss. Dankbar wurde in Paris das britische Hilfsangebot aufgenommen, Transportflugzeuge zur Verfügung zu stellen. Nach amerikanischen Medienberichten hat auch Washington logistische Hilfe in Aussicht gestellt, während sich das Auswärtige Amt in Berlin zurückhaltend gab und abermals die Bedeutung eines politischen Prozesses in den Vordergrund rückte.

          Hinter den Kulissen übt die Regierung in Paris Druck auf die afrikanischen Truppenstellerländer von der Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas aus, ihre Soldaten nach Mali zu entsenden. Aus den Nachbarländern Burkina Faso, Niger und Senegal werden jeweils 500 Soldaten erwartet, um die Reihen malischen Armee zu verstärken.

          Präsident Hollande, der am Sonntag den dritten „Verteidigungsrat“ innerhalb von drei Tagen im Élysée-Palast abhielt, bezeichnete den Kampf gegen den Terrorismus als ausschließliches Kriegsziel Frankreichs. Paris verfolge „keine eigenen Interessen“ bei der Militäroperation, die den Namen der Wüstenraubkatze Serval trägt.

          Krisentreffen: Staatspräsident Hollande traf sich am Sonntag im Elysée-Palast mit malischen Vertretern

          Verteidigungsminister Le Drian wies Vorwürfe zurück, das Leben der acht in der Sahelzone verschleppten französischen Geiseln aufs Spiel zu setzen. Auf Drohungen der Islamistengruppe Ansar Dine reagierte die französische Regierung mit einer Verschärfung des Anti-Terror-Plans „Vigipirate“.
          Le Drian betonte, die malische Hauptstadt Bamako wäre „in den nächsten zwei bis drei Tagen“ in die Gewalt der islamistischen Gruppen aus dem Norden gefallen, hätte die französische Armee nicht am Freitag eingegriffen. Hollande hatte am Freitagabend den Auslandseinsatz der Armee in einer Ansprache im Élysée-Palast bekanntgegeben.

          Am Sonntag betonte Hollande, dem Feind seien schon „schwere Verluste“ zugefügt worden. Er nannte jedoch keine genauen Zahlen. Ein französischer Hubschrauberpilot wurde bei einem Gefecht tödlich getroffen, der Hubschrauber vom Typ Gazelle ging in Flammen auf.

          Abstimmung im Parlament

          An diesem Montag sollen die beiden Kammern des französischen Parlaments über den Militäreinsatz informiert werden. Eine Abstimmung ist nicht vorgesehen, verfassungsrechtlich auch nicht notwendig. Nur wenn der Einsatz länger als vier Monate dauert, muss das Parlament seine Zustimmung erteilen. Hollande hatte gesagt, der Einsatz werde so lange dauern wie nötig.

          In den vergangenen Monaten hatte Hollande stets abgelehnt, französische Kampftruppen nach Mali zu entsenden. Frankreich wollte sich auf die Ausbildung afrikanischer Soldaten sowie auf logistische Hilfe beschränken. Doch die Perspektive eines vollkommenen Zusammenbruchs der ohnehin schwachen staatlichen Strukturen im verbliebenen Rumpfgebilde Malis im Süden hat Hollande zu einer Kehrtwende veranlasst. Jetzt ist er bestrebt, die Verantwortung so schnell wie möglich an eine afrikanische Eingreiftruppe zu übertragen.

          Führender Islamist getötet?

          Aus malischen Sicherheitskreisen verlautete, ein führender  Kommandeur der „Ansar Dine“ sei in  Konna getötet worden. Abdel Krim alias Kojak sei ein Stellvertreter  des Ansar-Dine-Führers Iyad Ag Ghaly gewesen. Sein Tod sei ein  harter Schlag für die Gruppe. Ansar Dine besteht vorwiegend aus  Tuareg vom Stamm der Ifoghas. Sie ist eine der drei islamistischen  Gruppen, die derzeit den Norden Malis kontrollieren.

          Die Ecowas berief für Mittwoch in der ivorischen Hauptstadt Abidjjan eine Dringlichkeitssitzung zur Lage in Mali ein. In den kommenden Tagen sollten auch die Generalstabschefs aus der Region zusammenkommen,  sagte ein Ecowas-Sprecher. Die Organisation hatte am Freitag die umgehende Entsendung von Truppen nach Mali beschlossen. Die ersten Einheiten wurden dort für Sonntag erwartet.

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