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Mali-Konflikt : Zwei Transporter

Der islamistisch-terroristische Vormarsch in Mali stellt auch eine Bedrohung für Europa dar. Sind zwei Transall-Flugzeuge der Bundeswehr zur Unterstützung der französischen Intervention eine ausreichende Antwort aus Deutschland?

          Der deutsche Verteidigungsminister gehört nicht zu denen, die sich Deutschland am liebsten als große Schweiz denken, die das Weltgeschehen nichts angeht. De Maizière sieht Deutschland als Land mit internationaler Verantwortung, vor der es sich nicht drücken darf und dies auch nicht tut - Stichwort Afghanistan. Gleichwohl sieht er die materiellen und politischen Grenzen dieser Verantwortung; im Gespräch mit der F.A.Z. hat de Maizière kürzlich festgestellt, dass es nicht zwingend sei, Verantwortung zu übernehmen, „wenn es einen bitteren Bürgerkrieg irgendwo auf der Welt gibt“.

          In Mali herrscht nun kein Bürgerkrieg, sondern Islamisten und Terroristen haben große Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Das hat Frankreich zum militärischen Eingreifen veranlasst. Offenkundig schätzte Paris die Lage als äußerst bedrohlich ein. Diese Einschätzung teilt die Kanzlerin: Der islamistisch-terroristische Vormarsch in Mali stelle nicht nur eine Bedrohung für Afrika dar, sondern auch für Europa.

          Wenn das so ist, dann stellt sich aber zwingend die Frage, ob zwei Transall-Flugzeuge, welche die Bundesregierung am Mittwoch zugesagt hat, eine ausreichende Antwort auf diese Bedrohung sind. Und ob das als Geste der Unterstützung für Frankreich, wenige Tage vor den Feiern zum Jubiläum des Elysée-Vertrages, angemessen ist. Vermutlich hält die Bundesregierung selbst, jedenfalls der Unionsteil, diese Unterstützung für ausbaufähig, zumal sie die französische Intervention ausdrücklich begrüßt. Eigentlich müsste daraus mehr folgen als zwei Transportflugzeuge.

          Nicht auf der Höhe des Geschehens

          Die deutsche Zurückhaltung fügt sich ein in ein breiteres Bild: Die Europäer sind nicht auf der Höhe des Geschehens, die Amerikaner leisten allenfalls Nischenhilfe und drängen sich nicht vor.

          Offenkundig stecken vielen die Erfahrungen in Afghanistan in den Knochen. Der lange Kampf gegen den Terror war blutig, teuer, ohne eindeutiges Ergebnis. (Was heißt war? Noch immer stehen viertausend Bundeswehrsoldaten am Hindukusch.)

          Man möchte sich lieber nicht vorstellen, was passiert, wenn französische Truppenteile in einen Wüstenkrieg gegen vagabundierende Terroristen verwickelt werden. Und dennoch: Mit seiner Intervention hat Paris klargemacht, dass es nicht tatenlos zuzusehen bereit ist, wie in Nordafrika eine neue Dschihadisten-Basis entsteht. Im Stich lassen darf man Frankreich jetzt nicht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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