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Malaysia : Schwieriges Zusammenleben

„Phantomwähler“

Allerdings glaubt sie nicht, dass das politische Rennen an der Wahlurne entschieden wird. Wie viele andere Malaysier auch, ist sie davon überzeugt, dass die Regierungskoalition das Wählerverzeichnis zu ihren Gunsten manipuliert. Es seien Wähler mit unklarer Identität und falschen Adressen verzeichnet und es gebe sogar regelrechte „Phantome“ im Wählerregister, sagt Fuziah Salleh.

Auch Charles Santiago, ein Vertreter der sozialdemokratischen DAP, die zu Anwars Oppositionsbündnis „Pakatan Rakyat“ gehört, berichtet von Unregelmäßigkeiten bei der Wählerregistrierung. Der Politiker ist zum Interview im Restaurant „Lotus“ in Petaling Jaya, einer Satellitenstadt vor den Toren Kuala Lumpurs, erschienen. Die Speisen werden auf einem Bananenblatt serviert und mit den Fingern gegessen. Charles Santiago gehört zur indischen Minderheit, die etwa sieben Prozent der Einwohner Malaysias ausmacht. Nach Meinung des DAP-Politikers schürt die Regierungskoalition den Unfrieden zwischen den Bevölkerungsgruppen. Neben den Indern sowie den sechzig Prozent Malaien und Indigenen gibt es die einflussreiche Gruppe der ethnischen Chinesen, die etwa 24 Prozent der Einwohner ausmacht.

Macht durch Wahlen, nicht durch Revolution

Es ist diese ethnische Vielfalt Malaysias, die als erstes auffällt. In der U-Bahn von Kuala Lumpur stehen Malaiinnen in Kopftuch neben Chinesinnen in kurzen Hosen und Inderinnen mit rotem Punkt auf der Stirn. Doch es ist kein einfaches Zusammenleben. Mit seiner Kampagne „One Malaysia“ versucht Najib deshalb, die verschiedenen Ethnien zusammenzuführen. Er wagte sich sogar an die Förderpolitik für die ethnischen Malaien heran, die von Chinesen und Indern zunehmend als Diskriminierung empfunden wird. Diese Förderpolitik, die „New Economic Policy“, war einst eingeführt worden, weil die Malaien am Ende der Kolonialzeit in der armen Bevölkerung überrepräsentiert waren und nur wenig sozialen und wirtschaftlichen Einfluss hatten.

Laut Bridget Welsh und dem „Asia Barometer“ haben sich die Beziehungen zwischen den ethnischen Gruppen zuletzt zwar gebessert. Allerdings wirft die Opposition der Regierung in dieser Frage eine doppelte Strategie vor. Parallel zu Najib „One Malaysia“-Kampagne säe die von der Regierung beeinflusste Presse Unfrieden zwischen den Ethnien. Zudem wird von Umno und einigen anderen Gruppen eine orthodoxe Auslegung des Islam gefördert. Denn Najib sind die chinesischen Wähler weggelaufen, so dass es nun für ihn stärker auf die Stimmen der muslimischen Malaien ankommt.

Die politischen, ethnischen und religiösen Auseinandersetzungen in Malaysia werden sich bis zu den Wahlen vermutlich noch verschärfen. Von einem „malaysischen Frühling“, über den in der ausländischen Presse seit der April-Demo spekuliert wird, will aber selbst die Opposition nichts wissen. Malaysias politische und wirtschaftliche Lage sei deutlich besser als in Ägypten und Tunesien, sagen auch Najibs Kritiker. Ihr Ziel sei es deshalb, die Macht durch Wahlen zu erlangen, nicht durch Revolution.

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