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Drakonische Strafe : Malaysia lässt lesbisches Paar auspeitschen

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In Malaysia ist Homosexualität strafbar und kann außer mit Prügel- und Geldstrafen mit bis zu 20 Jahren Haft geahndet werden. (Symbolbild) Bild: EPA

In Malaysia sind homosexuelle Handlungen per Gesetz verboten. Weil zwei Frauen im Auto Sex hatten, wurden sie zu jeweils sechs Schlägen mit Bambusstöcken verurteilt, die Strafe wurde schon vollzogen.

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          In Malaysia sind zwei lesbische Frauen mit Stockhieben bestraft worden. Die Prügelstrafe wurde am Montag von einem Scharia-Gericht des Bundesstaates Terengganu vor etwa 100 Anwesenden vollstreckt, wie das Nachrichtenportal „Malay Mail Online“ berichtete. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Frauen waren im April festgenommen worden, ihnen wurde versuchter Geschlechtsverkehr in einem Auto vorgeworfen. Vor Gericht bekannten sich die beiden schuldig. Sie wurden im August zu jeweils sechs Stockschlägen und einer Geldstrafe von 3.300 Ringgit (umgerechnet knapp 700 Euro) verurteilt.

          Menschenrechtsorganisationen kritisierten, der Prozess sei ein weiterer Beweis dafür, dass die Repressionen gegen Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle (LGBTI) in dem muslimisch dominierten Land zunähmen. Sie hatten die Justiz aufgefordert, von der Prügelstrafe abzusehen. „Dies ist ein schrecklicher Tag für LGBTI-Rechte und die Menschenrechte in Malaysia“, monierte die Malaysia-Expertin von Amnesty International, Rachel Chhoa-Howard.

          Menschenrechtler: Verfolgung Homosexueller nimmt zu

          Sie sprach von einem herben Rückschlag für die Bemühungen der Regierung, ihre Menschenrechtsbilanz zu verbessern. Zugleich sei die Vollstreckung der Prügelstrafe ein Zeichen dafür, dass die im Mai gewählte neue Regierung den Einsatz solcher Maßnahmen ähnlich dulde wie ihre Vorgängerin. Eine solche Strafverfolgung und Bestrafung werde die jüngste Welle von Homophobie in Malaysia nur noch weiter anheizen, warnte Human Rights Watch.

          In Malaysia ist Homosexualität strafbar und kann außer mit Prügel- und Geldstrafen mit bis zu 20 Jahren Haft geahndet werden. Nach Angaben von Aktivisten ist Hetze gegen Homosexuelle immer mehr verbreitet. Erst vergangenen Monat waren auf Anordnung des Religionsministers die Foto-Porträts zweier LGBTI-Aktivisten aus einer Ausstellung entfernt worden.

          Seit Jahren werden Vorwürfe dieser Art außerdem dazu missbraucht, um politische Rivalen kaltzustellen. So waren dem langjährigen Oppositionsführer Anwar Ibrahim homosexuelle Handlungen unterstellt worden, woraufhin er zweimal für mehrere Jahre inhaftiert worden war.

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