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Malala Yousafzai : Kindliche Kinderrechtsaktivistin

Malala Yousafzai ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin, die es je gab Bild: AFP

Malala Yousafzai ist eine medienwirksame Kämpferin für Kinderrechte. Doch bei ihren Auftritten ist immer wieder zu merken, dass sie selbst noch ein Kind ist.

          Malala Yousafzai ist mit ihren 17 Jahren die jüngste Friedensnobelpreisträgerin, die es je gegeben hat. Und tatsächlich scheint in ihren Interviews und Reden immer wieder das Kind durch, das sie noch immer ist – etwa dann, wenn sie die Taliban mit Vampiren aus der Film- und Buchserie „Twilight“ vergleicht, mit Justin Bieber telefoniert oder die Meinungen ihres Vaters referiert. Zugleich hat sie innerhalb kürzester Zeit gelernt, sich professionell auf der internationalen Bühne zu bewegen und ihre Popularität für ihre politischen Botschaften zu nutzen. Von Waffenexporten bis zur Entführung von Schulmädchen durch die radikal-islamistische Miliz Boko Haram in Nigeria: Malala Yousafzai meldet sich regelmäßig zu Wort und findet international Gehör. Diese Mischung aus Naivität und ernsten weltpolitischen Themen ist ihr mediales Erfolgsrezept.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          So scheut sie sich nicht zu sagen, dass sie einmal Ministerpräsidentin Pakistans werden will. Jenes Landes also, in das sie derzeit aus Sicherheitsgründen gar nicht zurückkehren kann. Dort droht ihr nicht nur die Rache der Taliban, die ihr vor fast genau zwei Jahren auf dem Rückweg von der Schule in den Kopf schossen. Auch aus Teilen der islamistisch gesinnten pakistanischen Bevölkerung schlägt ihr Hass entgegen, in den sozialen Netzwerken wird sie von manchen als ruhmsüchtig oder als amerikanische Spionin diffamiert. Dieser Druck bewirkte im vergangenen Jahr sogar, dass die Provinzregierung in Peshawar die Präsentation von Malalas Autobiografie an der dortigen Universität verhinderte. Umso mehr beeilte sich Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif am Freitag, Yousafzai als den „Stolz aller Pakistanis“ zu rühmen.

          Seit knapp zwei Jahren lebt die Kinderrechtsaktivistin gemeinsam mit ihren Eltern im britischen Birmingham. Sie hat eine Stiftung gegründet und tritt regelmäßig auf internationalen Konferenzen auf. Ihr Leben hatte sich am 9. Oktober 2012 schlagartig verändert, als mehrere Taliban-Kämpfer in den Schulbus stiegen, in dem Malala saß und fragten: „Wer ist Malala“. Als sie sich zu erkennen gab, schoss ihr einer der Männer gezielt in den Kopf und verletzte sie schwer. Dank einer raschen Notoperation in Pakistan und einer anschließenden Behandlung im Großbritannien überlebte das Mädchen das Attentat.

          Schon als Elfjährige in der Öffentlichkeit

          Sie hatte sich den Zorn der Taliban zugezogen, weil sie die Islamisten schon 2007 als Elfjährige in Blogeinträgen dafür kritisiert hatte, dass sie Mädchenschulen in ihrer Heimat, dem Swat-Tal, angegriffen und geschlossen hatten. Damals hatte der Hassprediger Maulana Fazlullah, der heutige Anführer der pakistanischen Taliban, zunächst über Radioprogramme islamistisches Gedankengut im Swat-Tal verbreitet, wo eine Talibangruppe damals ein Terrorregime etablierte, bevor sie 2009 durch eine Militäroperation zurückgedrängt wurde.

          Der britische Sender BBC hatte Malala damals zusammen mit einigen anderen Mädchen aufgefordert, auf seiner Website ein Tagebuch über das Leben unter der Talibanherrschaft zu schreiben. Schon damals wurde sie in der pakistanischen Öffentlichkeit rasch bekannt, weil sie auch immer wieder Interviews gab. In der konservativen pakistanischen Gesellschaft war es ungewöhnlich, dass ihre Eltern ihr dies erlaubten. Tatsächlich war es ihr Vater, der das damals noch schüchterne Mädchen ermutigte, die Öffentlichkeit zu suchen. Als Bildungsaktivist und Direktor einer privaten Mädchenschule erkannte er schnell, dass seine Tochter mit ihren Medienauftritten viel mehr bewirken konnte als er selbst. Die Taliban versuchten sie zum Schweigen zu bringen. Doch mit ihrem Angriff haben die das Gegenteil bewirkt.

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