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Thailands Thronfolger : Der gute Rama

Kronprinz Vajiralongkorn soll der nächste König der Thailänder werden. Bild: AFP

Bauchfrei am Flughafen München, sieben Kinder von drei Frauen, sein Hund ein Marschall der Luftwaffe: Kronprinz Maha Vajiralongkorn wird Thailands neuer König. Das ist mehr als eine Umgewöhnung.

          4 Min.

          Es ist eine Einladung der besonderen Art. Thailands Nationalversammlung hat am Dienstag den Kronprinzen Maha Vajiralongkorn „eingeladen“, neuer König des Landes zu werden. So lautet zumindest der Sprachgebrauch in dem komplizierten Prozess der Thronfolge, der mit diesem Schritt endlich eingeleitet wird, aber noch längst nicht beendet ist. Denn zuerst muss der Prinz das Amt annehmen. Erst darauf folgt die formale Proklamation als neuer König Rama X. der Chakri-Dynastie. Die Krönung selbst findet dann frühestens im Oktober 2017 statt, wenn die einjährige Zeit der Trauer um den vor etwa sechs Wochen verstorbenen Monarchen Bhumibol Adulyadej endet.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Endgültig zum neuen Regenten aufgestiegen ist der 64 Jahre alte Prinz also noch nicht. „Lang lebe der König!“, riefen die 250 Abgeordneten der Nationalversammlung dennoch. Denn nun ist die Unsicherheit darüber, wie es mit dem thailändischen Königshaus nach dem Tod des Rama IX. weitergehen soll, endlich vorüber. Sie war ein Resultat der überraschenden Ankündigung des Prinzen, die Nachfolge erst mit Verzögerung antreten zu wollen. Dabei hatte der Ministerpräsident, Juntachef und General a.D. Prayuth Chan-ocha schon wenige Stunden nach dem Tod des Monarchen am 13. Oktober erklärt, dass der Prinz neuer König werde.

          Der als Halbgott verehrte Vater hatte schließlich schon im Jahr 1972 festgelegt, dass sein einziger Sohn ihm später einmal auf den Thron folgen sollte. Doch nun ließ der Kronprinz verlauten, dass er zunächst mit dem Volk um den Vater trauern wolle. Zum ersten Mal war Thailand damit für sechs Wochen komplett ohne Monarchen – erschütternd für die königstreuen Thailänder. Die Regentschaft musste der 96 Jahre alte frühere Ministerpräsident und Vorsitzende des Kronrats Prem Tinsulanonda übernehmen.

          Unübersichtliche Vorgänge am thailändischen Hof

          Es wurde spekuliert, warum der Thronfolger den Schritt getan hatte. Manche sehen darin einen taktischen Schachzug in einem unentschiedenen Machtkampf. Andere glauben, dass der Prinz auf diese Weise einfach nur seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit demonstrieren wollte. Die Vorgänge am Hof sind selbst für langjährige Beobachter nicht einfach zu entschlüsseln. Das strenge Gesetz gegen Majestätsbeleidigung macht es unmöglich, sie öffentlich zu erörtern. Für ungebührliche Äußerungen über die Königsfamilie drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die derzeitige Militärregierung macht von dem Paragraphen besonders ausgiebig Gebrauch.

          Zweifellos hatte sich der Prinz schon in den Monaten zuvor auf das Amt vorbereitet. Er hatte Gefolgsleute auf Schlüsselpositionen befördert, die Familie seiner letzten geschiedenen Frau entmachtet und neben dem Regierungschef bei einer öffentlichen Fahrradveranstaltung radelnd signalisiert, dass das Regime hinter ihm steht. Insgeheim fragen sich nun viele Thais, was für ein König Rama X. werden wird. Die meisten von ihnen haben nie einen anderen König kennengelernt als den im Alter von 88 Jahren gestorbenen Bhumibol Adulyadej. Kein lebender Monarch hat so lange regiert wie er. Für die meisten Thais war er wie eine Vaterfigur. Mit seiner künstlerischen Ader als Fotograf und Jazz-Saxophonist, mit den landwirtschaftlichen Projekten, die er angestoßen hatte, hatte er überall Anerkennung gefunden. In dem sozial und politisch tief gespaltenen Land sahen ihn viele als die einzige einigende Kraft. Kritische Biographien, die Zweifel an diesem Bild aufkommen lassen könnten, sind in Thailand verboten.

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