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Mädchen in Atlantik ertrunken : „Das Gesicht eines humanitären Dramas“

Migranten am 10. November 2020 an der Mole der Hafenstadt Arguineguín auf Gran Canaria Bild: dpa

Die Atlantikroute in Richtung Kanaren gilt als gefährlichster Weg nach Europa. Jetzt sorgt ein ertrunkenes zweijähriges Mädchen aus Mali in Spanien für Erschütterung.

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          Der Tod eines zwei Jahre alten Mädchens aus Mali erschüttert Spanien. Es gebe „keine Worte“, um den großen Schmerz zu beschreiben, schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez im Kurznachrichtendienst Twitter. Sanitäter hatten das unterkühlte Kind am vergangenen Dienstag auf der Hafenmole von Arguineguín auf Gran Canaria nach einem Herzstillstand zunächst wiederbelebt. Die Bilder des kleinen leblosen Körpers riefen auch außerhalb Spaniens Bestürzung hervor. Das Mädchen war nach mehrtägiger Fahrt laut Presseberichten mit ihrer Mutter und einer älteren Schwester auf der Kanareninsel gelandet. Ihr überfülltes Boot hatte in Dakhla in der Westsahara abgelegt.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das Mädchen, das am Sonntag in einem Krankenhaus starb, sei das „Gesicht eines humanitären Dramas“, sagte der kanarische Regionalpräsident Angel Victor Torres: Mit ihr seien in diesem Jahr 19 Menschen auf dem Weg auf die Kanaren ums Leben gekommen, aber zuvor seien schon „Tausende“ ertrunken, deren Namen man nicht kenne.

          Steigende Zahlen seit März

          Auf der Atlantikroute, die als der gefährlichste Weg nach Europa gilt, kamen nach einer Zählung der spanischen Hilfsorganisation „Caminando Fronteras“ im Jahr 2020 mindestens 2170 Menschen bei dem Versuch ums Leben, auf dem Seeweg nach Spanien zu gelangen. Auf der Route in Richtung Kanaren waren es demnach 1851 Tote.

          In der vergangenen Woche landeten dort 356 Menschen auf neun Booten an, von denen drei die Reise am Ende nicht überlebten und zwanzig im Krankenhaus behandelt werden mussten. Seit Jahresbeginn wurden auf den Kanaren fast 3000 neue Migranten registriert, im Jahr 2020 waren es insgesamt mehr als 23.000. Im Vergleich zum vergangenen November, als in einem Monat 8000 Migranten gezählt wurden, zeichnete sich seit Jahresbeginn ein Rückgang ab, bis die Zahlen seit der zweiten Märzhälfte wieder stiegen.

          Helfer des Roten Kreuzes fällt auf, dass der Anteil von Frauen und Minderjährigen auf den Booten zugenommen hat. An Bord des Bootes des gestorbenen Mädchens waren 29 Frauen und 9 Kinder. Die spanischen Behörden sind überfordert. Seenotretter klagen über fehlende Ressourcen, während die Aufnahmeeinrichtungen bisher nicht ausreichten. Erst mit mehrmonatiger Verzögerung sollen die letzten 1800 Migranten bis Ende März die Hotels verlassen, in denen sie bisher untergebracht waren.

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