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Venezuelas Grenzen : Mit Gewalt gegen die Helfer

Guaidó nimmt am Samstag in Kolumbien Hilfsgüter entgegen. Bild: Reuters

Die Gewalt in Venezuela nimmt weiter zu. Maduro ist sich weiterhin der Unterstützung des Militärs sicher, doch das Eis wird dünner – ein Treffen zwischen Mike Pence und Guaidó steht kurz bevor.

          Der Plan der venezolanischen Opposition um den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó und seiner Verbündeten ging nicht auf, jedenfalls im ersten Versuch. Am Samstag sollten Lastwagen humanitäre Hilfe für Venezuela über die Grenze bringen, um die leidende Bevölkerung zu erreichen. Die Regimegegner setzten darauf, dass die Soldaten ihre Befehle missachten und die Konvois passieren lassen würden. Doch alle Grenzübergänge blieben dicht. An verschiedenen Orten fuhren beladene Lastwagen bis an die Grenze, begleitet von Unterstützern Guaidós.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Empfangen wurden sie mit Tränengas und Gummigeschossen. Auf einer Brücke zwischen Kolumbien und der venezolanischen Grenzstadt Ureña fingen zwei Lastwagen mit Hilfsgütern Feuer. Ein von Puerto Rico kommendes Schiff, ebenfalls mit Hilfsgütern beladen, musste umkehren: Die venezolanische Marine drohte, es unter Beschuss zu nehmen. In Brasilien glückte es zwei Transportern, die Grenze zu Venezuela zu überqueren – doch auch sie wurden bald darauf von Sicherheitskräften des Regimes aufgehalten.

          In der Stadt Santa Elena de Uraién in der Nähe der brasilianischen Grenze kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten, wobei mindestens drei Personen erschossen wurden, darunter ein 14 Jahre alter Junge. Hunderte wurden verletzt, mehrere Personen mit Schussverletzungen in Krankenhäuser in Brasilien eingeliefert. Menschenrechtsorganisationen verurteilten den Einsatz scharfer Munition. In verschiedenen Städten kam es zu Straßenschlachten. Besonders heftig waren sie in Ureña, wo sich die Polizei stundenlange Gefechte mit Aufständischen lieferte. Für Unruhe sorgten auch bewaffnete Gruppen im Dienste der Regierung, die sogenannten Colectivos. Sie bedrohten unter anderem eine Gruppe von Abgeordneten, Helfer wie auch Journalisten auf venezolanischer Seite.

          Guaidó, der die Geschehnisse trotz eines Ausreiseverbots von der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta aus verfolgte, zeigte sich empört und sprach von „Sadismus“. Das Regime von Machthaber Nicolás Maduro habe ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begangen, indem es humanitäre Hilfsgüter zerstört habe, sagte Guaidó. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, offen „für alle Optionen“ zu bleiben, um Venezuela zu „befreien“ – was weithin als Forderung nach einer militärischen Intervention verstanden wurde.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte bereits vor einem Monat mit Blick auf Venezuela gesagt: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch.“ Am Sonntag wandte sich Guaidó auf Twitter an seine Landsleute. Er bezweifle, schrieb er, dass Hugo Chávez akzeptieren würde, was dessen Nachfolger gebracht habe: „Hunger, Gewalt, Unterdrückung und Angst“. Maduro habe alles zerstört. Er frage sich nach der Zerstörung: „Würden das diejenigen billigen, die an Chávez geglaubt haben?“

          An diesem Montag soll sich Guaidó in Bogotá mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence treffen. Auch ein Treffen der sogenannten Lima-Gruppe, der die meisten lateinamerikanischen Staaten sowie Kanada angehören, ist vorgesehen. Die Gruppe gründete sich 2017 in der peruanischen Hauptstadt Lima, nachdem Staatschef Nicolás Maduro die Nationalversammlung faktisch entmachtet hatte durch die Gründung einer neuen verfassunggebenden Versammlung; Ziel der Lima-Gruppe ist die Wiederherstellung der demokratischen Ordnung in Venezuela. Ob und wann Guaidó nach Venezuela zurückkehren kann, ist fraglich, zumal Staatschef Nicolás Maduro das Land rigoros abgeriegelt hat.

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