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„Banlieue mitten in der Stadt“ : Macron will Marseille retten

Emmanuel Macron beim Besuch einer Schule in Malpasse in Marseille Bild: EPA

In Marseille herrschen Kriminalität, Islamismus und Armut. Mit einem milliardenschweren Hilfsprogramm will Präsident Macron Abhilfe schaffen. Die Opposition wirft ihm vor, „unerträglich monarchisch“ zu sein.

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          Niemals ist Frankreich zentralistischer als zur „rentrée“, der landesweiten Rückkehr aus den Sommerferien. Die ganze Nation nimmt Anteil, wenn die Kinder zurück in den Unterricht müssen. Auch Präsident Emmanuel Macron hat sich pünktlich zum ersten Schultag nach zwei Monaten Pause am Donnerstag in einem Klassenzimmer eingefunden. Auf das artige „Bonjour Monsieur le Président“ zur Begrüßung folgen „es lebe OM!“-Rufe. Der Präsident grinst. „OM“ steht für Olympique Marseille und ist der Lieblings-Fußballclub des Präsidenten in seiner Lieblingsstadt, wie er regelmäßig mit der Inbrunst eines Nordlichts bekundet. Macron ist in Amiens geboren und aufgewachsen. „Ich liebe Marseille unendlich“, deklamierte er. Nun steht er mitten in Marseille, und es ist nicht nur Liebe, die ihm entgegengebracht wird.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Schuldezernent im Rathaus, Pierre-Marie Ganozzi, ein früherer Geographielehrer, zeigt auf die verlotterte Fassade des Siebziger-Jahre-Schulgebäudes: „Sie haben die Schule vergammeln lassen.“ Wobei mit „sie“ vor allem der ehemalige Bürgermeister Jean-Claude Gaudin gemeint ist, ein Marseiller Urgestein, der als Vorlage für die von Gérard Depardieu verkörperte Hauptfigur der Netflix-Serie „Marseille“ diente. Ein Vierteljahrhundert herrschte der Altgaullist Gaudin in der Mittelmeermetropole. Unter seiner Führung putzte sich Marseille 2013 zur Kulturhauptstadt heraus. Damals entstanden architektonische Neuheiten wie die Villa Méditerranée und der aufsehenerregende Quader des Museums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeeres).

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