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Warschaus Vorwurf an Macron : „Würden Sie mit Hitler verhandeln?“

In Sachen Ukraine nicht auf einer Wellenlänge: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (Aufnahme vom 17. Februar in Brüssel) Bild: AP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will den Dialog mit Wladimir Putin fortführen. Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki greift ihn deshalb scharf an – schont aber Marine Le Pen trotz ihrer Verbindungen nach Moskau.

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          Mit Zurückweisung hat der französische Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch auf Vorhaltungen des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki reagiert. Wie der Elysée-Palast mitteilte, seien die Vorwürfe „inakzeptabel“. Morawiecki hatte Macron kritisiert, weil er den Dialog mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin aufrechterhält. „Präsident Macron, wie oft haben Sie mit Putin verhandelt? Was haben Sie erreicht?“, sagte Morawiecki. „Würden Sie mit Hitler, mit Stalin, mit Pol Pot verhandeln?“, fragte der polnische Regierungschef am Dienstag in einer Rede in Krakau.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Im Elysée-Palast wurde die Kritik aus Warschau als verdeckte Wahlkampfhilfe für Marine Le Pen bewertet. Morawiecki sei der Verbündete Le Pens, hieß es. Beide Politiker haben im vergangenen Dezember einen Aufruf für ein „Europa der Vaterländer“ unterzeichnet. Beim „Warschauer Gipfel“ vereinbarten 16 Parteien, im EU-Parlament stärker gemeinsam zu agieren. Morawiecki schwärmte von einem „Wendepunkt in der Geschichte Europas“.

          Zuvor hatte Le Pen ihm im Rechtsstreit mit der EU den Rücken gestärkt. Sollte sie im April zur neuen französischen Präsidentin gewählt werden, würde sie Druck auf die EU-Kommission ausüben, Polens Gelder freizugeben, sagte Le Pen kürzlich der polnischen Zeitung „Rzecz­pospolita“. Zugleich pflegte Le Pen lange enge Kontakte zu Putin und setzte sich 2017 mit dem Kreml-Chef in Szene. Bis heute hält Le Pen an ihrem Wahlprogramm fest, wonach Russland ein sicherheitspolitischer Partner sei.

          Morawiecki schwieg über Le Pens Verbindungen zu Putin und griff stattdessen Macrons Telefondiplomatie mit Moskau an. Nach Angaben des Elysée-Palastes hat Macron seit Anfang des Jahres mindestens 16 Mal mit Putin gesprochen. Morawiecki beklagte ausbleibende Ergebnisse und forderte, Putins Kriegsmaschinerie endlich zum Stillstand zu bringen. Die Vorwürfe aus Warschau sind nicht neu. Bereits vor einem Jahr bezeichnete der polnische Außenminister Frankreich als „trojanisches Pferd Russlands in der EU“.

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