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Folter und Mord in Algerien : Frankreich tut sich schwer mit der Wahrheit

Französische Soldaten im Mai 1956 in der Hauptstadt von Algier Bild: AP

Mit einer Versöhnungsgeste will Präsident Macron die Versöhnung voranbringen. Er betritt damit ein Minenfeld. Die Erinnerung an den Algerien-Krieg spaltet Frankreichs Gesellschaft.

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          Die Versöhnungsgeste zu einem der schmerzlichsten Kapitel der französischen Geschichte, dem Algerien-Krieg, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat am Dienstagabend vier Enkel des 1957 gestorbenen algerischen Unabhängigkeitskämpfers Ali Boumendjel im Elysée-Palast empfangen und ihnen eingestanden, was seine Vorgänger im Namen der Republik nicht auszusprechen wagten: Ihr Großvater beging nicht Selbstmord, wie offiziell behauptet worden war, sondern wurde auf Anweisung des französischen Generals Paul Aussaresses in Algier gefoltert und starb an den Folgen der Verletzungen. In einem am späten Abend versandten Kommuniqué betont Macron, dass er das Eingeständnis als „Geste der Anerkennung“ verstanden wissen wolle, die „kein Einzelfall“ bleiben solle. In der Verlautbarung fehlt indessen ein Hinweis darauf, dass der Präsident die Enkel um Vergebung für das Verbrechen gebeten habe.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Bereits 2018 ordnete Macron an, die geheimen Archive aus der Zeit des Algerienkrieges zu öffnen, um die Schicksale der vielen verschwundenen Algerier und Franzosen zu erforschen. Der erste nach der Unabhängigkeit Algeriens geborene Präsident brach das Schweigen über die Verbrechen mit einem Pardon, das er an die Witwe des 1957 verschwundenen Mathematikers Maurice Audin richtete. Der Tod des Kommunisten Audin, der die Unabhängigkeitsbewegung unterstützt hatte, zählte zu den vielen unaufgeklärten Verbrechen der bleiernen Zeit.

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