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Corona in Frankreich : Macron kündigt nächtliche Ausgangssperren an

Präsident Emmanuel Macron ist auf mehreren Bildschirmen zu sehen, während er seine Fernsehansprache hält. Bild: AFP

Die Corona-Lage in Frankreich verschlechtert sich seit Wochen. Der französische Präsident kündigt drastische Maßnahmen an: „Wir feiern nicht mehr, wir gehen keine Freunde mehr besuchen.“

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          Mit Ausgangssperren von 21 Uhr abends bis 6 Uhr morgens in Paris und acht anderen französischen Großstädten will Präsident Emmanuel Macron die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurückgewinnen. „Wir sind in einer besorgniserregenden Situation“, sagte der Präsident. „Das Virus schlägt in allen Altersklassen zu. Die Hälfte aller Covid-19-Patienten auf der Intensivstation sind unter 65 Jahre alt“, sagte er. Deshalb habe er sich zu harten Maßnahmen entschlossen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Theater, Kinos, Konzertsäle und Restaurants müssen um 21 Uhr schließen, auch private Treffen sind nicht erlaubt.  „Wir feiern nicht mehr, wir gehen keine Freunde mehr besuchen“, sagte Macron am Mittwochabend im französischen Fernsehen. Seit Ende des Algerien-Krieges hat es keine derart weitreichenden Ausgangssperren mehr auf französischem Boden gegeben. Der Begriff „couvre-feu“ (Ausgangssperre) wird gemeinhin mit der Zeit der deutschen Besatzung in Paris während des Zweiten Weltkriegs assoziiert.

          Gesundheitsnotstand in ganz Frankreich

          Die Einhaltung des abendlichen Ausgehverbots werde von der Polizei überwacht, bei Verstößen werde ein Bußgeld in Höhe von 135 Euro erhoben, warnte Macron. Für Ausnahmefälle wie Beschäftigte mit Nachtschicht soll es Passierscheine geben.  Die Ausgangssperren sollen vorerst vier Wochen lang gelten. Macron kündigte aber an, dass er im Parlament eine Verlängerung bis mindestens Anfang Dezember durchsetzen wolle. Betroffen sind die Bewohner von Paris, Lille, Rouen, Saint-Etienne, Toulouse, Lyon, Grenoble, Aix-en-Provence und Marseille.

          In ganz Frankreich wird von Samstag an der Gesundheitsnotstand verhängt. „Ich hoffe und erwarte, dass alle wie während des Lockdowns sich der Risiken bewusst sind und ermessen, was auf dem Spiel steht“, sagte Macron und ergänzte:  „Wir sind kollektiv verantwortlich.“ Es gehe darum, die sozialen Kontakte so weit wie möglich zu beschränken. „Unser Ziel ist es, dass das Wirtschaftsleben weitergehen, dass gearbeitet wird und die Schulen, Gymnasien und die Universitäten offen bleiben und funktionieren.“

          Auch im privaten Rahmen solle man darauf achten, mit maximal sechs Personen zusammenzukommen. Zwei bis drei Tage in der Woche solle im Homeoffice gearbeitet werden. Macron kündigte neue Sozialhilfen für Arbeitnehmer an, die aufgrund der Ausgangssperren Verluste erleiden.

          Der Präsident äußerte sich kritisch zur französischen Warnapp „Stop Covid“. Sie sei nicht „gescheitert“ , aber habe nicht funktioniert. Eine Neufassung mit einem neuen Namen („Alle gegen Covid“) soll zum Monatsende angeboten werden. Nach den Schwierigkeiten mit der großangelegten Testkampagne, die zu einer Überlastung der Labore mit langen Wartezeiten für die Ergebnisse geführt hat, sollen Schnelltests die Lösung bringen. Macron blieb jedoch vage, wann genau sie zum Einsatz kommen sollen.  Er verabschiedete sich nach 45 Minuten Interview mit der Formulierung: „Wir schaffen das.“

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