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Parlamentswahl in Frankreich : „Mich würde es freuen, wenn die Regierung abgestraft wird"

Macron bei der Stimmabgabe im ersten Wahlgang der Parlamentswahl in Paris Bild: Reuters

Die Franzosen haben die Lust am Wählen verloren. Das spürt auch die Partei Emmanuel Macrons. Die Enttäuschung über den Präsidenten ist groß.

          7 Min.

          In der alten Markthalle Beauvau und auf Ständen im Freien bieten Händler frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Blumen im Überfluss an. Vor einem baumelnden Schinken an einem Metzgerstand grinsen Europaminister Clément Beaune und der ehemalige Premierminister Édouard Philippe in die Kameras. Der frühere Regierungschef, der in der Beliebtheit der Franzosen weit oben steht, ist als Retter auf den Marché d’Aligre in Paris gekommen. Der Europaminister liegt in seinem Wahlkreis im Herzen der Hauptstadt gut fünf Punkte hinter der Kandidatin des Linksbündnisses NUPES, Caroline Mécary, zurück. Sollte er im zweiten Wahlgang der Parlamentswahl an diesem Sonntag unterliegen, müsste Beaune sich auch vom Regierungstisch verabschieden. So hat es Präsident Emmanuel Macron für alle 15 Minister bestimmt, die bei der Wahl antreten. Wer nicht demokratisch legitimiert werde, könne nicht in der Regierung bleiben.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Es steht viel auf dem Spiel“, sagt der 40 Jahre alte Europaminister Beaune, der zum ersten Mal kandidiert. Den Wahlkampf macht er im Anzug und im Namen berühmter Förderer. Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors hat in einem Empfehlungsschreiben dazu aufgerufen, für Beaune zu stimmen. Ein Sieg der Linken wäre verheerend, warnt Beaune, der zum kleinen Kreis der Vertrauten Macrons zählt. Der linke Wortführer Jean-Luc Mélenchon, der Premierminister werden will, verkörpere „einen Trump à la française“. „Wenn Mélenchon behauptet, dass die Polizei tötet, dass unserer Armee im Sahelgebiet Missgriffe unterlaufen, dass wir aus der NATO aussteigen müssen, dann besteht ein großes Risiko“, sagt Beaune. Auch für die Zukunft der EU sei eine linke Parlamentsmehrheit fatal. „Ungehorsam gegen die EU, das bedeutet den permanenten Regelbruch. So können wir Europa nicht voranbringen.“

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