https://www.faz.net/-gpf-a22qf
Bildbeschreibung einblenden

Nach Explosionen in Beirut : Libanesen bitten Macron um Hilfe für Regierungswechsel

Der französische Präsident Macron war am Donnerstag das erste Staatsoberhaupt, das den Libanon nach den verheerenden Explosionen in Beirut besuchte. Bild: Reuters

„Helfen Sie uns!“ und „Revolution!“, skandieren die Menschen beim Besuch des französischen Präsidenten in Beirut. Viele sehen in der Vetternwirtschaft der politischen Klasse die wahre Ursache für die Katastrophe.

  • Aktualisiert am
          1 Min.

          Eine aufgebrachte Menschenmenge hat beim Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im verwüsteten Beirut dessen Unterstützung zum Sturz der libanesischen Regierung gefordert. „Helfen Sie uns!“ und „Revolution!“, skandierten die Menschen am Donnerstag, als Macron das christliche Stadtviertel Gemmayze besuchte. Viele riefen auch: „Das Volk will den Sturz des Regimes!“ Macron forderte Libanons Regierung zu Reformen, zum Kampf gegen Korruption und insgesamt zu einem „Systemwechsel“ auf. Zugleich warb er um internationale Hilfe für das Land.

          Zwei gewaltige Explosionen hatten am späten Dienstagabend die Stadt erschüttert. Nach jüngsten Angaben der Behörden wurden dabei mindestens 137 Menschen getötet und mehr als 5000 weitere verletzt, Dutzende wurden noch vermisst. Bis zu 300.000 Menschen wurden obdachlos, halb Beirut ist demnach zerstört oder beschädigt.

          Viele Libanesen machen Inkompetenz und Korruption seitens der Regierung und der Behörden für die Katastrophe verantwortlich. Explodiert war nach offiziellen Angaben eine riesige Menge Ammoniumnitrat, das jahrelang ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen in einer Lagerhalle am Hafen untergebracht war. In dem seit Jahren wirtschaftlich schwer gebeutelten Land war es zuvor bereits immer wieder zu Massenprotesten gekommen.

          Macron wurde bei seiner Ankunft am internationalen Flughafen von Beirut vom libanesischen Präsidenten Michel Aoun in Empfang genommen und sicherte zunächst weitere Hilfe zu: „Wir werden in den kommenden Tagen helfen, zusätzliche Unterstützung auf französischer und europäischer Ebene zu organisieren.“ Dies stehe im Vordergrund.

          Aber er sei auch hier, „um eine neue politische Initiative zu starten“, sagte er weiter. Er forderte „unumgängliche Reformen“, andernfalls werde sich der Niedergang des Landes weiter fortsetzen. „Wir wissen, dass die Krise hier auch über die Explosion hinaus ernst ist“, fügte Macron hinzu. Und dafür seien auch die derzeitigen Regierenden mitverantwortlich. Er wolle einen „neuen Pakt“ für das politische Libanon vorschlagen, sagte er später in Beirut mit Blick auf seine geplanten Gespräche mit Regierungsvertretern.

          Frankreich ist als ehemalige Protektorats-Macht ein wichtiger Bezugspunkt für große Teile der libanesischen Bevölkerung. Besonders nach Beginn des Bürgerkriegs 1975 wanderten zudem viele Libanesen nach Frankreich aus. Macron war der erste ausländische Staatschef, der das Land nach den verheerenden Explosionen von Beirut besuchte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angela Merkel mit Markus Söder und Michael Müller (im Vordergrund)

          Neue Corona-Beschlüsse : Der zweite Lockdown, der keiner ist

          Dieses Mal folgen die Länder dem harten Kurs der Kanzlerin. Auch wer das ablehnt, kann nicht wollen, was ohne Beschränkungen droht: ein Kontrollverlust, der über das Gesundheitswesen hinausgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.