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Westafrika : Macron droht nach Putsch in Mali mit Abzug französischer Truppen

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Französische Soldaten in Mali Bild: AFP

Frankreichs Präsident warnt vor einer islamistischen Regierung in dem Krisenstaat. Sollte sich Mali in diese Richtung entwickeln, werde er Frankreichs Truppen abziehen.

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          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit dem Abzug der französischen Truppen aus Mali gedroht, sollte sich der westafrikanische Krisenstaat nach einem neuerlichen Putsch in eine islamistische Richtung entwickeln. „Radikaler Islamismus mit unseren Soldaten dort? Niemals“, sagte Macron in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Zeitung „Journal du Dimanche“. Dies habe er auch dem inzwischen abgesetzten malischen Übergangspräsidenten Bah Ndaw gesagt.

          In Mali gebe es derzeit die „Versuchung“, sich dem radikalen Islamismus anzunähern, sagte Macron. „Wenn es in diese Richtung geht, werde ich die französischen Soldaten abziehen“, betonte er. Gegenüber den westafrikanischen Staats- und Regierungschefs habe er deutlich gemacht, dass diese keine Regierung unterstützen dürften, die „keine demokratische Legitimität mehr“ habe, sagte Macron in dem Interview weiter.

          Sondergipfel in Ghana

          In Mali war es in dieser Woche zum zweiten Umsturz innerhalb von neun Monaten gekommen. Am Montag wurden in dem Land der bisherige Übergangspräsident Ndaw sowie Regierungschef Moctar Ouane abgesetzt. Am Freitag erklärte das Verfassungsgericht des Landes dann den einflussreichen Armee-Oberst Assimi Goïta zum neuen Interimspräsidenten. Goïta, der zuvor das Amt des Vizepräsidenten der Übergangsregierung innehatte, war im August 2020 Anführer der Putschisten gewesen, die den gewählten Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta nach lange andauernden Protesten stürzten.

          Über die Situation in Mali beraten an diesem Sonntag westafrikanische Staatschefs bei einem Sondergipfel in Ghana. Nach einem ersten Putsch im August 2020 hatte die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas die Grenzen zu Mali geschlossen und die finanziellen Transaktionen sowie den Handelsaustausch mit dem Land gestoppt.

          Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von starker Instabilität geprägt. Die meist dschihadistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht. Neben der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich ist auch Deutschland mit der Bundeswehr im Rahmen von Missionen der EU und der Vereinten Nationen in Mali im Einsatz, um zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

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