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Machtwechsel in Frankreich : Hollande zum Präsidenten gewählt

Klar gewonnen: Hollande und seine Lebensgefährtin Valerie Trierweiler in Tulle Bild: AFP

Der Sozialist François Hollande hat die französische Präsidentschaftswahl gegen den Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewonnen. Hollande erzielte etwa 52 Prozent der Stimmen. Sarkozy kündigte seinen Rückzug aus der Politik an.

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          Der 57 Jahre alte François Hollande ist am Sonntag zum siebten Präsidenten der V. Französischen Republik gewählt worden. Nach ersten Hochrechnungen kam der Kandidat der Sozialistischen Partei (PS) in der Stichwahl auf eine Mehrheit von etwa 52 Prozent und lag damit vier Prozentpunkte vor dem 57 Jahre alten Nicolas Sarkozy. Die Amtszeit Präsident Sarkozys endet am 16. Mai um Mitternacht. Die Wahlbeteiligung lag laut Hochrechnungen mit etwa 80,5 Prozent über der Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          François Hollande wollte noch am Sonntagabend Bundeskanzlerin Angela Merkel anrufen. Das kündigte der sozialistische Fraktionsvorsitzende Jean-Marc Ayrault an, der als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Premierministers gilt. „Berlin hält den Schlüssel für die Sanierung Europas, für eine Neuausrichtung Europas in Richtung Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Schutz der Bürger in der Hand“, sagte Ayrault.

          Hollande rief die Franzosen nach seinem Wahlsieg zur Einigkeit auf. „Die Franzosen haben den Wechsel gewählt, indem sie mich an die Spitze der Republik gewählt haben“, sagte er am Sonntagabend in seinem zentralfranzösischen Wahlkreis Tulle. „Ich bin glücklich, dass ich Hoffnung vermittelt habe“, sagte er. „Der Wandel, den ich Euch versprochen habe (...) beginnt jetzt.“

          Nicolas Sarkozy gestand seine Niederlage ein: „François Hollande ist der Präsident und muss respektiert werden“, sagte Sarkozy am Sonntagabend vor Anhängern in Paris. Gleichzeitig kündigte Sarkozy seinen Rückzug aus der Politik an. „Nach 35 Jahren in der Politik wird mein Platz nicht mehr derselbe sein. Mein Leben wird ein anderes sein“, sagte er.

          Mit Sarkozy-Maske: Ein Anhänger Hollandes vor der Parteizentrale der Sozialisten in Paris

          Hollande strebt Nachverhandlungen am europäischen Fiskalpakt an, den er um eine Wachstumskomponente ergänzen will. Zu den 60 Wahlversprechen Hollandes zählt auch die Ausarbeitung eines neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrages. Hollande will nach eigenen Worten die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung auf eine neue Grundlage stellen. Der neue Präsident plant noch am Tag seiner Amtseinführung, vermutlich am 15. Mai, nach Berlin zu reisen, um mit Bundeskanzlerin Merkel zusammenzutreffen.

          Zehntausende Anhänger Hollandes auf dem Place de la Bastille

          Bis dahin wird auch ein neues Regierungskabinett ernannt sein, das bis zu den Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni die Regierungsgeschäfte führt. Zehntausende Anhänger Hollandes strömten am Sonntagabend in Paris auf den Place de la Bastille, wo sich auch François Mitterrand nach seinem Wahlsieg 1981 hatte feiern lassen. Schon zuvor war die Straße vor dem sozialistischen Parteisitz in Paris, die Rue de Solférino, gesperrt worden, weil sich dort Tausende Sympathisanten eingefunden hatten. Hollande hielt sich am Sonntag zunächst in seiner Wahlheimat auf, in der Corrèze an den Ausläufern des Zentralmassivs. Er gab dort um 10.30 Uhr seine Stimme ab und zog sich dann in sein Büro des Départementrates zurück. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Journalistin Valérie Trierweiler, und seinem Redenschreiber Aquilino Morelle arbeitete er an seiner Rede. Hollande wollte am späten Abend auf dem Bastille-Platz vor seine Sympathisanten treten.

          Stimmabgabe in der französischen Botschaft im jordanischen Amman

          Hollande hat sein Programm für die ersten 100 Tage bereits offengelegt. Obwohl er eine in der Verfassung verankerte Schuldenbremse ablehnt, will er als seriöser Haushalter ernst genommen werden. Er will das Haushaltsdefizit bis 2013 unter die Drei-Prozent-Marke absenken und strebt einen ausgeglichenen Haushalt bis 2017 an. Im öffentlichen Dienst will Hollande von der Sparpolitik Sarkozys abrücken, der nur noch jede zweite durch Pensionierung frei werdende Stelle neu besetzt hatte. Hollande will zudem 150.000 staatlich finanzierte Stellen für Berufseinsteiger sowie 60.000 neue Planstellen im Bildungswesen für Lehrer, Psychologen und Schulkrankenschwestern schaffen. Hinzu sollen 5000 zusätzliche Beamtenstellen im Justizwesen, bei Polizei und Gendarmerie kommen.

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