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Machtkampf in Venezuela : Guaidó hofft auf die Armee

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Der selbsternannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó braucht die Hilfe des Militärs. Bild: dpa

Der selbsternannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó appelliert an die Armee, humanitäre Hilfe ins Land zu lassen. Präsident Maduro weiß angesichts von Rücktrittsforderungen nicht, „ob man lachen oder kotzen soll“.

          Nach der Anerkennung durch viele europäische Staaten ist nun der selbst ernannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó gefragt. Er will dringend benötigte humanitäre Hilfe ins Land bringen, um die schlimmste Not in dem Krisenstaat zu lindern. „In der ersten Etappe soll die Hilfe jenen Venezolanern zugute kommen, die Gefahr laufen, zu sterben“, sagte Guaidó am Montag. Die Vereinigten Staaten, Kanada und Deutschland sagten bereits Soforthilfen in Millionenhöhe zu.

          Staatschef Nicolás Maduro war 2018 in umstrittenen und von der Opposition weitgehend boykottierten Wahlen im Amt bestätigt worden. Im Januar begann seine zweite Amtszeit – und Guaidó reagierte mit der Ausrufung zum Gegenpräsidenten. Das Parlament, in dem die Opposition bei den letzten freien Wahlen Ende 2015 eine klare Mehrheit errungen hatte, war Monate zuvor entmachtet worden. Das Land, dessen Exporteinnahmen zu 95 Prozent vom Erdöl abhängen, war in Maduros Amtszeit in eine dramatische Krise geraten – viele Menschen hungern oder sind geflohen, die Geldentwertung ist die höchste der Welt.

          Die Vereinigten Staaten, viele Staaten in Lateinamerika und zahlreiche europäische Länder haben den jungen Guaidó mittlerweile als legitimen Übergangspräsidenten anerkannt. In der Nacht zum Dienstag dankte Guadió auf Twitter den Regierungen Estlands, Mazedoniens und Kroatiens, die zuletzt ihre Unterstützung für seine Präsidentschaft erklärt hatten. „Die demokratische Welt erkennt den Kampf der Venezolaner an“, sagte er am Montag.

          Allerdings braucht Guaidó die Unterstützung der mächtigen Streitkräfte, um die Hilfslieferungen ins Land zu schaffen. Noch halten die Militärs zu Maduro, der humanitäre Hilfe aus dem Ausland zuletzt immer wieder abgelehnt hatte. Er wolle keine Almosen, sagte er. Zudem fürchtet er, dass mit der Hilfe aus den Vereinigten Staaten auch amerikanische Soldaten ins Land kommen.

          „Heute richte ich einen Aufruf an die Streitkräfte: In wenigen Tagen habt ihr die Möglichkeit zu entscheiden, ob ihr auf der Seite von jemandem stehen wollt, um den es immer einsamer wird, oder auf der Seite von Hunderttausenden Venezolanern, die Lebensmittel und Medikamente brauchen“, sagte Guaidó. Die Hilfslieferungen sollen in den kommenden Tagen von Kolumbien und Brasilien nach Venezuela geschafft werden. „Alles ist bereit. Hier die Frage an die Militärs: Soldat, wirst du deiner Familie die humanitäre Hilfe verweigern? Einmal mehr appelliere ich an euer Gewissen. Diese Hilfe ist dazu da, Leben zu retten.“

          Die meisten Ländern der sogenannten Lima-Gruppe – Argentinien, Brasilien, Kanada, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Panama, Paraguay und Peru - hatten die Streitkräfte am Montag aufgerufen, sich dem Kommando von Guaidó zu unterstellen. „Wir fordern das Militär dazu auf, die internationale Hilfe ins Land zu lassen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Gruppe betonte zugleich, dass sie weiter an einer friedlichen Lösung des Konflikts interessiert sei. Man wolle keine militärische Intervention. Die Lima-Gruppe wurde 2017 mit dem Ziel gegründet, zu einer friedlichen Lösung der Venezuela-Krise beizutragen.

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