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Machtkampf in der Elfenbeinküste : Gbagbo in Abidjan festgenommen

  • -Aktualisiert am

Abgang in Handschellen: Laurent Gbagbo am Montag in Abidjan Bild: REUTERS

Der Machtkampf ist vorerst beendet: Soldaten des international anerkannten ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara haben am Montag dessen Rivalen Laurent Gbagbo in Abidjan festgenommen.

          Nach mehr als vier Monaten Machtkampf in der Elfenbeinküste haben Soldaten des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara am Montag dessen Rivalen Laurent Gbagbo in Abidjan festgenommen. Gbagbo und seine Frau Simone seien ins „Hotel du Golf“ gebracht worden, das Hauptquartier Ouattaras, teilten der französische Botschafter Simon und eine Sprecherin Ouattaras mit. Augenzeugen bestätigten dies.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In Paris wurden Meldungen dementiert, französische Spezialeinheiten seien am Sturm auf die Residenz des Präsidenten beteiligt gewesen, wo sich Gbagbo seit Tagen verschanzt hatte. Der Sonderberater Präsident Sarkozys, Henri Guaino, sagte im französischen Fernsehsender France 2, es sei nicht die Aufgabe Frankreichs, Gbagbo „mit militärischen Mitteln zu vertreiben“. Vielmehr habe Frankreich „ein Blutbad in Abidjan verhindern wollen“. „Frankreich erfüllt seine Pflicht, die Zivilbevölkerung von Abidjan zu schützen“, sagte Guaino.

          Französische Soldaten hatten am Sonntagabend zusammen mit Blauhelmsoldaten der UN-Mission in der Elfenbeinküste, Onuci, abermals die Residenz Gbagbos und mehrere Kasernen, die von ihm treuen Soldaten kontrolliert werden, mit Raketen beschossen. Der Angriff war auf direkten Befehl von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erfolgt.

          Laurent Gbagbo im Februar dieses Jahres in Abidjan

          In einem Gespräch mit der Zeitung „Le Parisien“ sagte Botschafter Simon, der seit Juli 2009 in Abidjan auf Posten ist, die Anhänger Gbagbos hätten weiterhin „ein hohes Störpotential“. Frankreich habe nur innerhalb des UN-Mandates agiert und die Souveränität der Elfenbeinküste respektiert. Der Sonderberater Präsident Sarkozys, Henri Guaino, sagte im französischen Fernsehsender France 2, es sei nicht die Aufgabe Frankreichs, Gbagbo „mit militärischen Mitteln zu vertreiben“. Vielmehr habe Frankreich „ein Blutbad in Abidjan verhindern wollen“. „Frankreich erfüllt seine Pflicht, die Zivilbevölkerung von Abidjan zu schützen“, sagte Guaino. Die Sozialistische Partei (PS) hat am Montag zum ersten Mal verlangt, besser über den Auftrag der französischen Armee („Operation Einhorn“) in der Elfenbeinküste informiert zu werden.

          Bislang haben Außenminister Juppé und Verteidigungsminister Longuet nur vor dem Auswärtigen Ausschuss Rede und Antwort gestanden. Eine parlamentarische Debatte gab es nicht. Der sozialistische Parteisprecher Benoit Hamon forderte, die Öffentlichkeit über das Mandat der französischen Soldaten aufzuklären. Die „Einhorn“-Truppe ist auf 1500 Mann aufgestockt worden. Seit September 2002 sind die französischen Streitkräfte unter UN-Mandat in der Elfenbeinküste im Einsatz.

          Abermals Angriffe auf Gbagbos Residenz

          Französische Soldaten hatten am Sonntagabend zusammen mit Blauhelmsoldaten der UN-Mission in der Elfenbeinküste (Onuci) abermals die Residenz Gbagbos mit Raketen beschossen. Ebenfalls beschossen wurden mehrere Kasernen, die von Gbagbo-treuen Soldaten kontrolliert werden. Ziel der Angriffe sei es gewesen, die schweren Waffen der Gbagbo-Truppen auszuschalten, sagte Hamadou Touré, der Sprecher von Onuci in Abidjan. An den Angriffen waren mindestens vier Kampfhubschrauber der „Force Licorne“ genannten französischen Militärmission in Côte d'Ivoire beteiligt sowie die beiden ukrainischen Kampfhubschrauber der UN-Mission.

          Der Angriff erfolgte auf direkten Befehl von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. „Der Einsatz schwerer Waffen gegen Zivilisten und Blauhelmsoldaten sowie der Angriff auf das Hauptquartier der legitimen Regierung haben mich dazu veranlasst, einmal mehr Onuci zu befehlen, alle Mittel zur Neutralisierung dieser Waffen einzusetzen“, sagte Ban Ki-moon am Sonntagabend in New York. Der Sprecher von Gbagbo, der seit dem Angriff der Ouattara-Truppen auf Abidjan verschanzt in seiner Residenz lebt, bezeichnete die neuerlichen Angriffe als „Mordversuche“.

          Am Wochenende hatten Gbagbo-treue Soldaten das „Hotel du Golf“ unter anderem mit Granatwerfern angegriffen, in dem der international anerkannte Präsident Alassane Ouattara seit den Wahlen im November vergangenen Jahres unter dem Schutz von UN-Soldaten lebt. Kurz darauf hatte Ouattara die UN zur „Neutralisierung“ der schweren Waffen „gemäß der Resolution 1975 der Vereinten Nationen“ aufgefordert, die den Einsatz von schweren Waffen im Stadtgebiet von Abidjan ausdrücklich untersagt.

          Onuci hat Ouattara-Truppen bislang keine Waffen abgenommen

          Gleichwohl hat Onuci bislang keinerlei Anstrengungen unternommen, den Ouattara-Truppen ihre schweren Waffen abzunehmen, obwohl die im gleichen Maße im Stadtgebiet eingesetzt werden. In Paris demonstrierten am Sonntag mehr als 1500 Menschen für Gbagbo. Unterdessen beklagten die Vereinten Nationen eine „unerträgliche“ humanitäre Situation im Westen des Landes, wo rund um die Stadt Duékoué mehr als 85.000 Menschen vor den Kämpfen zwischen Gbagbo-Truppen und denen seines Widersachers Ouattara fliehen mussten. Bislang kommt kaum Hilfe zu diesen Menschen durch.

          Bei der Eroberung von Duékoué durch die Ouattara-Truppen waren nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes mehr als 800 Menschen getötet worden. Die UN beschuldigt beide Seiten, für die Massaker verantwortlich zu sein. Gestützt auf Augenzeugen, beschuldigt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die Ouattara-Truppen für die meisten der bislang bekannt geworden Morde rund um Duékoué. So seien mutmaßliche Gbagbo-Anhänger reihenweise exekutiert, ihre Frauen vergewaltigt und ihre Häuser niedergebrannt worden.

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