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Machtkampf in der Elfenbeinküste : Gbagbo bittet um Schutz der UN

  • -Aktualisiert am

Laurent Gbagbo: Tritt er nun zurück? Bild: AFP

Der Machtkampf in der Elfenbeinküste ist nach den Luftschlägen auf Stellungen des Machthabers Gbagbo entschieden. Der in seiner Residenz verschanzte Gbagbo verhandelt nach Angaben des französischen Außenministers mit dem international anerkannten Präsidenten Ouattara über sicheres Geleit in ein Drittland.

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          Der amtierende Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, reagiert einem internen UN-Dokument zufolge auf den militärischen Druck. Er habe um Schutz der Vereinten Nationen (UN) gebeten, geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Dokument am Dienstag hervor. Gbagbo selbst hat Meldungen über seine Rückzugsverhandlungen in einem Telefoninterview mit dem französischen Fernsehsender LCI widersprochen. Auch bestritt er abermals seine Niederlage bei der Präsidentenwahl im November. Ouattara „hat die Wahl nicht gewonnen“, sagte er. LCI gab an, das Interview sei am Dienstag geführt worden.

          Die Truppen von Gbagbo sind in der Wirtschaftsmetropole Abidjan eingekesselt worden. Sein Militärchef Philippe Mangou rief nach Tagen schwerer Kämpfe zum Waffenstillstand auf. Der Sprecher der UN-Mission in Côte d'Ivoire (Onuci), Hamadoun Touré, sagte am Dienstag, Gbagbo halte sich mit einer „Handvoll Getreuer“ in einem Bunker unter seiner Residenz im Stadtteil Cocody auf, nachdem der Widerstand seiner Soldaten zusammengebrochen ist. Die Residenz sei von Ouattara-Truppen ebenso umstellt wie der Präsidentenpalast im Stadtteil Plateau.

          Der Generalstabschef der ivorischen Armee, Philippe Mangou, hatte am Dienstag angekündigt, dass seine Truppen die Kämpfe eingestellt hätten und forderte Onuci auf, einen sofortigen Waffenstillstand zu verfügen. Mangou war bei Beginn der Offensive in der vergangenen Woche zunächst in die südafrikanische Botschaft geflüchtet, hatte einige Tage später aber seinen Posten wieder eingenommen. Der Außenminister der Gbagbo-Regierung, Alcide Djédjé, hatte sich am Dienstag in die Residenz des französischen Botschafters geflüchtet, die unmittelbar an die Residenz von Gbagbo angrenzt.

          In der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan sind heftige Geschosse zu hören

          Nach den Luftschlägen vom Montagabend hatten sich die Ereignisse in der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan überschlagen. Nahezu gleichzeitig hatten mutmaßlich vier französische Hubschrauber und die beiden Kampfhubschrauber der UN-Mission den Präsidentenpalast im Geschäftsviertel Plateau, die Residenz des Präsidenten im Stadtteil Cocody, das Gebäude des staatlichen Rundfunks RTI, die Gendarmeriekaserne Agban in Williamsville sowie eine große Militärkaserne in Stadtteil Akouédo mit Raketen und schweren Maschinenkanonen angegriffen.

          Afrikanische Union kritisiert Luftschläge der UN

          Nur Stunden zuvor hatten die Kämpfer von Ouattara ihre zweite große Offensive auf Abidjan gestartet, nachdem sie zuvor vier Tage vergeblich versucht hatten, den Widerstand der Gbagbo ergebenen Präsidentengarde zu brechen. Die Luftangriffe waren von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon angeordnet worden und dienten dazu, die schweren Waffen des Gbagbo-Lagers auszuschalten, die immer wieder gegen Zivilisten als auch gegen UN-Personal engesetzt worden seien.

          Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte, die Beteiligung französischer Kampfhubschrauber sei auf ausdrücklichen Wunsch des UN-Generalsekretärs erfolgt. Auf Amateurvideos, die im Internet zirkulieren, ist zu sehen, wie die Kaserne von Akouédo, die der ivorischen Armee als zentrales Waffenlager dient, in einem riesigen Feuerball verschwindet. Über die Zahl der Opfer liegen keinerlei Angaben vor.

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